Steins wahre und sagenhafte Geschichten
03.11.2026 RheinfeldenVom kleinen Grenzverkehr und rabiaten Welschen
Ein bebilderter Vortrag lud zu «Steiner Geschichten und Anekdoten» ein
Die aktuelle Serie von Anlässen zur Steiner Dorfgeschichte «Stein anno dazumal» wurde am letzten Freitag von Hansueli Bühler fortgesetzt. ...
Vom kleinen Grenzverkehr und rabiaten Welschen
Ein bebilderter Vortrag lud zu «Steiner Geschichten und Anekdoten» ein
Die aktuelle Serie von Anlässen zur Steiner Dorfgeschichte «Stein anno dazumal» wurde am letzten Freitag von Hansueli Bühler fortgesetzt. Im Mittelpunkt des Abends standen bebilderte Dorfgeschichten, Anekdoten und Sagen. Musikalisch begleitet wurde der Vortrag von der Akkordeonspielerin Priska Herzog.
Petra Schumacher
Der obere Raum des Saalbaus war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Vor allem die ältere Generation der Steiner war zahlreich erschienen. Zustimmendes Nicken, leise geführte Diskussionen und immer wieder ein Lacher zeugten von der interessierten Anteilnahme der Zuhörerschaft. Für seinen Vortrag griff Hansueli Bühler, der Präsident des Steiner Kulturvereins, auf Geschichten von Kurt Keller, Anekdoten von Herbert Stehlin sowie Sagen aus dem Buch «Sagen aus dem Fricktal» zurück. Kurt Keller, Jahrgang 1944, ist in Stein aufgewachsen. Als kleiner Bub sass er zu gern unter dem Nähtisch seiner Mutter und lauschte den Geschichten der Frauen und ihren Diskussionen über Geschehnisse aus dem Dorf. Seine Erinnerungen notierte er später. Der 2002 verstorbene Herbert Stehlin war als regionaler Geschichtenschreiber und Chronist für das Festhalten lokaler Ereignisse bekannt. 1995 erschien sein Buch zu Stein: «Chroniken und Anekdoten».
Kurt Kellers Geschichten
Steins Nähe zum benachbarten Säckingen lässt sich auch als «kleiner Grenzverkehr» beschreiben. Laut den Erinnerungen von Kurt Keller, wurden in der Nähstube seiner Mutter recht interessiert Möglichkeiten für einen «unbeschwerten Warentransport» – oder anders gesagt, Tipps zum Schmuggeln ausgetauscht. So hiess es, dass Frauen beim Schmuggeln Rollkragenpullover tragen sollten, da Zollbeamte gerne auf die Halsschlagader schauen würden, um zu prüfen, ob ein Herzklopfen vorläge. Ein weiterer Hinweis aus der Nähstube war, dass das diskrete Zustecken einer Zigarettenschachtel Gauloises bei den französischen Grenzwächtern ein «reibungsloses» Durchwinken fördere.
Herbert Stehlins Anekdoten
Herbert Stehlin schaute gut im Dorf hin und hörte zu. So wusste er vom Steiner Polizeichef zu berichten, der mit Vorliebe seine eigene Frau kontrollierte, wenn diese mit dem Frauenturnverein nach dem Sport «eis go schnappä» ging. Oder vom Posthalter «Gogg», der die Geselligkeit liebte und einst nach einem ausgiebigen Pintenbesuch mit blutverschmierten Kleidern und Beulen am Kopf nach Hause kam und seiner Frau den Zustand mit einem Überfall von zwei Strolchen auf dem Heimweg erklärte. Wobei es an den Stammtischen später hiess, dass der arme Posthalter von zwei Welschen, genauer gesagt von zwei Wallisern so arg zugerichtet worden sei, deren Namen man aber kenne: «Fendant» und «Dôle». Anlässlich des Vortrags war auch die Fotoausstellung «Stein im Bild» geöffnet. Zahlreiche Fotos stammen aus dem Archiv von Kurt Keller, der diese Ausstellung zusammen mit Sabine Wunderlin, Fritz Käser, Walter Birri und mit Unterstützung von Hansueli Bühler erstellt hat.
Vorschau
Am kommenden Samstag, 7.11., um 16.30 Uhr, bildet der Vortrag von Sabine Wunderlin den Abschluss der Anlass-Serie der Steiner Dorfchronik. Wunderlin ist in Stein aufgewachsen. Bereits als junge Frau fotografierte sie und war später als eine der ersten Schweizer Pressefotografinnen weltweit für den Ringier Verlag unterwegs. 2023 erschien ihr Buch «Zwischen Stein, Bundeshaus und Puddingpalace». Unter dem gleichnamigen Titel wird sie ihren bebilderten Vortrag halten. Am 7. November ist auch letztmalig die Fotoausstellung zu sehen.



