Zwanzig Jahre Besuchsdienst Möhlin: ein kurzes Innehalten
Die Welt ist eine andere als noch vor zwanzig Jahren und Hedi Soder überzeugter denn je: «Jeder Mensch hat die Sehnsucht, wahrgenommen zu werden.»
Ronny Wittenwiler
Es ist Knochenarbeit. Jedes Mal aufs Neue. ...
Zwanzig Jahre Besuchsdienst Möhlin: ein kurzes Innehalten
Die Welt ist eine andere als noch vor zwanzig Jahren und Hedi Soder überzeugter denn je: «Jeder Mensch hat die Sehnsucht, wahrgenommen zu werden.»
Ronny Wittenwiler
Es ist Knochenarbeit. Jedes Mal aufs Neue. Doch überwiegt am Ende die Erfüllung. Mit jeder Silbe nimmt man diese wahr: Dann spricht Hedi Soder von Freundschaften und Beziehungen, welche die Seele berühren, von Menschlichkeit.
Stunden des Augenblicks
Als hätte man einen kleinen Samen gesetzt, damals vor zwanzig Jahren. In der Hoffnung, dass daraus ein zartes Pflänzchen wachsen würde. Es brauchte Behutsamkeit, Geduld. Knochenarbeit, immer wieder. Und jetzt: zwanzig Jahre Besuchsdienst – ist er überhaupt noch wegzudenken? «Ganz und gar nicht», sagt Hedi Soder. «Er ist zu wichtig geworden.» Das gilt es einzuordnen. Denn wichtig nimmt die Präsidentin nicht sich selbst, sondern die Arbeit, die Freiwillige immer wieder leisten, getreu dem Gebot der allerersten Stunde: Zeit haben, Zeit schenken – all jenen, die einsam sind.
Was aus Geduld und Behutsamkeit in zwei Jahrzehnten schliesslich gewachsen ist, lässt sich auch mit Zahlen dokumentieren: im vergangenen Vereinsjahr etwa waren Freiwillige 1243 Stunden bei ihren Bezugspersonen zu Besuch. Sie waren ganz einfach da. Manchmal als Zuhörerin, manchmal als Erzähler. Manchmal auch nur, um einen Moment der Stille zu teilen.
Und heute?
Als der Samen 2006 gepflanzt wurde, sollte es noch zwei Jahre dauern, bis das erste iPhone auf den Schweizer Markt kam. Ohne Frage war nicht nur deshalb die Welt eine andere. Ein gefühlt zunehmender Individualismus lässt Hedi Soder heute ganz allgemein diese Gedanken formulieren: «Ich glaube, jeder Mensch hat die Sehnsucht, wahrgenommen zu werden. Zuwendung wird immer ein zentraler Punkt unserer menschlichen Natur sein. Sind wir nicht mehr für andere da, verlieren wir unsere Menschlichkeit.» Der Besuchsdienst Möhlin. Vor zwanzig Jahren gegründet, ist er vielleicht heute notwendiger denn je.
20 Jahre Besuchsdienst Übermorgen Sonntag, 14. Juni, 10 Uhr, lädt der Besuchsdienst Möhlin zur Jubiläumsfeier mit Gottesdienst in die christkatholische Kirche ein. Anschliessend wird ein Apéro serviert und es besteht die Möglichkeit, an einem Infostand mehr über den Besuchsdienst zu erfahren.
www.besuchsdienst-moehlin.ch