Soll die Bildungsqualität in der Kantonsverfassung verankert werden?

  30.05.2026 Fokus

Die Aargauische Volksinitiative «Bildungsqualität sichern – JETZT!» wurde am 28. August 2024 mit 3180 gültigen Unterschriften eingereicht. Sie wurde vom Interessenverband der Aargauer Lehrpersonen «Bildung Aargau» lanciert. Die Initiative fordert eine hohe Unterrichtsqualität, genügend qualifiziertes schulisches Fachpersonal und dass die Arbeit der Lehrpersonen in erster Linie Schülerinnen und Schülern zugutekommt. Um dies sicherzustellen, soll Bildungsqualität als Auftrag in der Kantonsverfassung verankert werden. «Die Forderungen der Initiative nach hoher Unterrichtsqualität, genügend qualifizierten Lehr- und schulischen Fachkräften und dass die Arbeit der Lehrpersonen primär Schülerinnen und Schülern zugutekommt, sind unbestritten. Eine Ergänzung in der Kantonsverfassung ist jedoch nicht notwendig und bringt keinen Mehrwert. Der Kanton setzt die Anliegen der Initiative bereits im Rahmen seiner Bildungspolitik um», hält der Regierungsrat dazu fest. Das Initiativkomitee sieht das anders: «Bildung ist das Fundament unseres Kantons. Sie eröffnet Kindern und Jugendlichen Chancen, stärkt unsere Demokratie und sichert die wirtschaftliche Zukunft. Damit dies so bleibt, will die Initiative Bildungsqualität dauerhaft in der Verfassung verankern. So ist der Kanton verpflichtet, sie bei seinen Entscheidungen verbindlich zu berücksichtigen.» (mgt/nfz)


Pro

Ja: Damit Qualität kein Zufall bleibt!

Carole Binder-Meury,
Grossrätin, SP, Magden

Am 14. Juni 2026 stellt der Kanton Aargau die Weichen für seine wichtigste Ressource: die Bildung. Die Volksinitiative «Bildungsqualität sichern – JETZT!» fordert ein klares Versprechen in der Kantonsverfassung. Qualität darf keine Verhandlungssache nach Finanzlage sein. Warum dieses Ja so dringend notwendig ist, zeigt ein Blick in die Klassenzimmer.

Fachkräftemangel ist ein Dauerthema an den Schulen. Müssen Stellen mit Personen ohne Diplom besetzt werden, ist das als kurzfristige Notlösung verständlich, jedoch ein gefährlicher Dauerzustand. Unterrichten ist eine hochkomplexe pädagogische Aufgabe. Unsere Kinder sollen von Profis auf das Leben und die Berufswelt vorbereitet werden.

Verantwortung übernehmen
Die Initiative fordert Verbindlichkeit. Sie fordert, dass der Kanton Verantwortung übernimmt, unabhängig von politischen Mehrheiten und willkürlichen Sparprogrammen. Deshalb gehört Bildungsqualität in die Verfassung. Sie widerspiegelt unsere Grundwerte.

Der Lehrberuf soll wieder attraktiv werden und Lehrpersonen sollen wieder Zeit für ihr Kerngeschäft haben, nämlich das Unterrichten. Sie sollen administrativ entlastet werden und Zeit für die Unterstützung einzelner Schülerinnen und Schüler haben.

Ja, Bildung kostet. Der Kanton Aargau steht finanziell bestens da: Wir sind schuldenfrei, die Rechnung 2025 schliesst mit einem Überschuss von 345 Millionen Franken ab. Wir verfügen über Reserven von mehr als einer Milliarde Franken und haben zudem die Steuern um 8% gesenkt. Niemand kann behaupten, wir könnten uns Bildungsqualität nicht leisten! Hier müssen wir investieren. Bildung von heute ist der Wohlstand von morgen!

Jeder Franken, der heute in die Volksschule gesteckt wird, spart uns morgen ein Vielfaches an Integrationskosten und Sozialausgaben. Er trägt zur Verringerung des Fachkräftemangels in der Wirtschaft bei.

Die Herausforderungen in der Bildung sind gross. Mit Projekten wie der frühen Förderung, dem Deutsch vor dem Kindergarten oder den Förderklassen plus soll Entlastung geschaffen werden. Das sind ambitionierte Pläne. All diese Massnahmen können aber nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Ideen haben und dann die Umsetzung den Gemeinden und den Schulen vor Ort überlassen, greift zu kurz. Das kann nicht gelingen. Hier muss der Kanton Verantwortung übernehmen und die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen sprechen. Es braucht Konzepte und Begleitung bei der Umsetzung. Zum Erhalt der Bildungsqualität braucht es ein überparteiliches Commitment. Sonst werden gute Ideen und Lösungsansätze wie heisse Luft verpuffen.

Ja, Bildung kostet. Nur durch Verankerung in der Verfassung können gute Bildung für unsere Kinder, gute Integration für Kinder mit individuellen Bedürfnissen und attraktive Arbeitsplätze für Lehrpersonen sichergestellt werden.

Der 14. Juni entscheidet darüber, ob der Aargau ein moderner, attraktiver Bildungskanton bleibt. Deshalb ein Ja zur Bildungsinitiative! Ein Ja für die Zukunft unseres Kantons.


Contra

Diese Initiative ist überflüssig!

Stephan Müller,
Grossrat, SVP, Möhlin

Wir alle wollen eine qualitativ gute Schule, denn Bildung ist ein zentraler Grundpfeiler der Gesellschaft, der persönliches Wachstum und Berufsbildung, wirtschaftliches Wachstum, Chancengleichheit und demokratische Mitwirkung fördert.

Die inhaltlichen Kernforderungen dieser Initiative nach hoher Unterrichtsqualität, genügend qualifizierten Lehrpersonen, Schulleitungen und schulischen Fachpersonen sowie administrativer Entlastung, sind unbestritten. Es handelt sich um zentrale Voraussetzungen, damit die Schulen den Bildungsauftrag erfüllen und die Schülerinnen und Schüler ihre Bildungsziele erreichen können.

Das wurde schon längst vor dieser Initiative erkannt und entsprechende Massnahmen eingeleitet.

Diese Initiative braucht es nicht
Diese Initiative bringt absolut keinen Mehrwert! Die zentralen Leitlinien im Bildungswesen sind bereits in der Kantonsverfassung verankert und weitere Bestimmungen braucht es nicht. Die Forderungen der Initianten können auch mit den bestehenden gesetzlichen Grundlagen umgesetzt und erreicht werden.

Zudem hat sich in den letzten Jahren sehr viel im Bildungsbereich getan, auch dank Vorstössen aus dem Grossen Rat. Das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) und die Schulen arbeiten stetig mit zahlreichen Massnahmen daran, damit eine hohe Unterrichtsqualität erreicht, genügend qualifiziertes schulisches Fachpersonal zur Verfügung steht und der administrative Aufwand tief gehalten werden kann.

Die Folgen bei einer Annahme dieser Initiative
Die Umsetzung dieser Volksinitiative hätte ein ganzes Bündel von Massnahmen zur Folge; unter anderem kleinere Klassen, mehr Lehrpersonen, mehr Schulraum.

Die finanziellen und personellen Auswirkungen auf den Kanton und die Gemeinden wären massiv. Die heutigen jährlichen Ausgaben im Bereich Volksschule betragen rund eine Milliarde Franken für Kanton und Gemeinden. Zusätzlich wäre mit jährlich wiederkehrenden Mehrkosten von 50 bis 100 Millionen Franken für Kanton und Gemeinden zu rechnen. Beispiel: Würde die durchschnittliche Klassengrösse in der Primarschule nur um eine Schülerin oder einen Schüler gesenkt, würde dies schon Mehrkosten von rund 27 Millionen Franken pro Jahr zur Folge haben.

In all diesen Mehrkosten sind die weiteren Aufwände wie höhere Ressourcen für Schulleitungen und Investitionen in zusätzlichen Schulraum noch nicht miteinberechnet.

Für den Bau von zusätzlichem Schulraum würden den Gemeinden hohe Kosten entstehen, welche diese zu 100 % selber tragen müssten. Aufgrund der angespannten finanziellen Lage vieler Gemeinden, unter anderem wegen steigender Gesundheits- und Sozialhilfekosten, wäre mit Steuererhöhungen zu rechnen, damit diese zusätzlichen Ausgaben finanziert werden könnten.

Fazit: Die Forderungen der Initianten sind im Rahmen der finanziellen Machbarkeiten bereits realisiert worden oder befinden sich in der Umsetzung. Deshalb ist diese Initiative überflüssig und mit einem Nein an der Urne abzulehnen.

 


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