Sie wollten doch nur spielen
28.03.2026 PersönlichKarin und Dominik Zumsteg: T V-Stars wider Willen, aber von Herzen
Er der ruhende Pol mit Orientierungssinn, sie die erprobte Wettkampfsportlerin. Beiden gemeinsam: das blinde Vertrauen in den anderen. Wie die beiden Fricktaler ihr «Game of Switzerland» erlebt haben und was weit ...
Karin und Dominik Zumsteg: T V-Stars wider Willen, aber von Herzen
Er der ruhende Pol mit Orientierungssinn, sie die erprobte Wettkampfsportlerin. Beiden gemeinsam: das blinde Vertrauen in den anderen. Wie die beiden Fricktaler ihr «Game of Switzerland» erlebt haben und was weit schwieriger war als jede Aufgabe im Spiel.
Simone Rufli
30. September, 1. und 2. Oktober 2025 – diese Daten werden Zumstegs nie vergessen. Es waren die Drehtage zur neunten Staffel von «Game of Switzerland». Letzten Samstag, am 21. März, war es endlich soweit – sechs Monate nach den Aufnahmen wurde die Spielshow im Fernsehen SRF ausgestrahlt. Als eines von vier Zweier-Teams dabei – Team Orange – Karin und Dominik Zumsteg aus Wil, Mettauertal, Sie (43) Sportlehrerin, Steinstösserin und Chorleiterin, er (41) Zimmermann und selbständiger Bauunternehmer. Ehepaar, Eltern von zwei Kindern.
Drei Tage nach der Ausstrahlung, am Dienstagabend, zusammen mit der NFZ am Familientisch. Dominik: «Nach dem Fernsehen, jetzt noch in die Zeitung?!» Er schüttelt den Kopf. «Es ist unglaublich, wir haben weit über hundert Reaktionen erhalten. Es melden sich Leute bei uns, die wir vor Jahren das letzte Mal gesehen haben, bekommen über drei Ecken Grüsse aus entlegenen Gegenden der Schweiz und werden, wo man uns erkennt, auf die Sendung angesprochen. Das ist doch verrückt», er lacht.
Seine Frau verschwindet kurz und kommt mit zwei Karten mit Fotos der beiden zurück. «Kinder aus dem Dorf haben sie uns hingestreckt und uns gebeten, darauf zu unterschreiben.» «Das war am Samstagabend, als wir die Spielshow mit dem halben Dorf zusammen bei einem Public Viewing in der Wiler Trotte geschaut haben», ergänzt Dominik. «Es war so beeindruckend mitzuerleben, wie sie alle mitgefiebert haben.»
Vielleicht hat die Art, wie Team Orange gewonnen hat – Ehre und Preis mit Team blau geteilt, das verletzungsbedingt am vorletzten Posten aufgeben musste – dazu beigetragen, dass man den Zumstegs aus Wil einfach gratulieren muss zu diesem Auftritt? «Den Buzzer zu drücken, um als alleiniger Sieger dazustehen, während das andere Final-Team wegen einer Verletzung aufgeben musste – das kam für uns keinen Moment in Frage!», sagt Dominik und Karin nickt. «Darüber mussten wir keinen Moment diskutieren. Als Wettkampfsportlerin hatte ich anfangs etwas Mühe damit, dass wir das Spiel so abrupt und ohne das letzte entscheidende Duell beenden mussten – aber keine Sekunde damit, den Sieg zu teilen.»
Nicht anders als daheim
Sympathisch, humorvoll, authentisch, herzlich – das war es, was das Publikum vom Start in Solothurn bis ins Ziel in Weinfelden von den Orangen zu sehen und spüren bekam. Eine Herzlichkeit, die berührte und der man den Sieg entsprechend gönnte. Die beiden schauen sich an, lächeln verlegen. «Wir waren am Fernsehen nicht anders, als wir es hier daheim sind. Es ist gar nicht möglich, dass man sich verstellt, da läuft so viel in diesem Spiel, worauf man sich konzentrieren muss.»
Konnte man üben? Karin: «Wir haben alle bisherigen Staffeln noch einmal angeschaut und hatten Schweizerkarten und einen Kinderatlas herumliegen. Man rechnet mit Quiz, mit Wasser mit einem Höhenspiel, aber sonst? Eine Überraschung von A bis Z.»
Angemeldet hatte Karin sich und ihren Mann vor vier Jahren. «Zusammen mit rund 250 anderen Teams», sie lacht. «Später wurden wir um ein Werbe-Video gebeten und zu Probespielen eingeladen, dann hörten wir lange nichts und dachten das wars.»
Was war es, dass sie angetrieben hat? «Der Wunsch zu spielen!», kommt es wie aus einem Mund. «Ich habe gesagt, es wäre cool, mal solche Spiele spielen zu können.» «Und ich habe uns am nächsten Tag heimlich angemeldet», Karin lacht. «Wir wollten nicht ins Fernsehen und wir haben es nicht wegen dem Preis gemacht, wir wollten einfach solche coolen Spiele spielen», ergänzt Dominik. Karin nickt. «Man muss sich das vorstellen. Wir durften Spiele spielen, die eine ganze Crew während vier Monaten für uns allein zusammengestellt hat. Alles Spiele, wie sie nur wir in diesem einen Durchgang spielen können. Das ist doch unglaublich. Das und wie wir umsorgt wurden, wie alles perfekt organisiert war, wie freudig uns alle Crew-Mitglieder begegnet sind, das vergisst man im Leben nie.»
Zum Schweigen verpflichtet
Schwieriger als jedes Spiel in den drei Tagen sei das Heimkommen gewesen, erinnert sich Karin Zumsteg. «Dieses riesige Geheimnis ein halbes Jahr lang für uns zu behalten, mit niemandem darüber reden zu können, was wir erlebt haben und wie das Spiel für uns geendet hat – das hat mich fast verrissen. Ich bin denn auch für ein paar Tage in ein Loch gefallen und habe oft geweint.»
Heute sind es allenfalls noch Freudentränen. Wobei, es gab – auch das konnte die Schweiz am Fernsehen mitverfolgen – auch einen schwierigen Moment. «Das Abseilen vom Silo in Weinfelden. Ja, das war nicht leicht für mich. Das letzte Mal, als ich so emotional war, war bei der Geburt unserer Kinder», gesteht Karin Zumsteg. Und dann sagen beide noch etwas: «Es ist ein mega Geschenk, dass wir erleben durften, dass wir nach 15 Jahren Ehe als Team noch immer so wunderbar zusammen funktionieren, dass wir einander jederzeit blind vertrauen können.»


