Seit Jahren beschäftigt der geplante Bau von Windenergie-Anlagen auf der Burgmatte in Oberhof die Juristen. Doch darum ging es am öffentlichen Infoabend in Wölflinswil nicht. Die Sorge galt der Wasserversorgung im Tal.
Simone Rufli
«Bauen im Karstgebiet ist ...
Seit Jahren beschäftigt der geplante Bau von Windenergie-Anlagen auf der Burgmatte in Oberhof die Juristen. Doch darum ging es am öffentlichen Infoabend in Wölflinswil nicht. Die Sorge galt der Wasserversorgung im Tal.
Simone Rufli
«Bauen im Karstgebiet ist mit Gefahren verbunden», warnte David Jäggi. Bestehende Hohlräume könnten einstürzen, neue Hohlräume entstehen, Wasserströme dauerhaft umgeleitet werden und im schlimmsten Fall zu Wasserknappheit im Tal führen. Die hydrogeologische Situation im von Quellwasser versorgten Tal von Wölflinswil und Oberhof zeige, «dass im Gebiet teils stark wasserlösliche Gesteine wie Kalk, Dolomit, Anhydrit und Gips vorkommen, die Wasserwege sehr tief liegen und die Wege des Wassers weitgehend unbekannt sind», so der Geologe. «Das Wasser tritt insbesondere im Bereich Burg teils unter mächtigem Lockergestein aus.»
Werner Habermacher, bis März 2019 Förster in Wölf linswil und heute Präsident des Vereins Pro Burg, wies darauf hin, dass der Kanton bereits 1998 den Bau weiterer Maschinenwege im Bereich Burg untersagt habe. Rund 100 Gegner wie Befürworter der Windräder waren am Donnerstagabend der Einladung von Pro Burg zum öffentlichen Informationsanlass gefolgt. Die Referenten: Geologe David Jäggi und Giuliano Sabato, Gemeindeammann von Wölflinswil.
«Beide Quellen notwendig»
Die Wasserversorgung von Wölflinswil und Oberhof erfolgt zu 96 % durch Quellwasser aus den Quellen Asp und Unterburg, total 300 000 m3/ Jahr. Der mittlere Tagesbedarf liegt bei 820 m3, die mittlere Ausschüttung bei 800 m3. «Für unsere Wasserversorgung sind beide Quellen notwendig», betonte Giuliano Sabato. Die Sorge, dass sich im fragilen Karstgebiet durch Bautätigkeit die Wasserströme veränderten, so dass am Ende weniger Wasser aus den Quellen austrete, «ist gross und berechtigt», so Sabato in Übereinstimmung mit Geologen Jäggi. «Im Prinzip haben wir heute schon zu wenig Wasser.» Das Defizit werde durch das Reservoir ausgeglichen. Sorge bereite jedoch der steigende Wasserbedarf aufgrund des Bevölkerungswachstums als Folge der anhaltenden Bautätigkeit.
Enorm hoher Netzverlust
Erschwerend komme das Alter der Leitungen im Gemeindeverband Oberhof-Wölflinswil dazu. «Die ältesten Eternit-Leitungen stammen aus dem Jahr 1910, der Netzverlust liegt bei 41 Prozent.» Der Investitionsbedarf sei enorm und betrage bis 2035 rein rechnerisch 8,1 Millionen Franken. Jährlich wären 0,5 Mio. an Investition nötig, die tatsächlichen Investitionen im Jahr 2025 betrugen 76 644 Franken, das Nettovermögen lag bei 279 691 Franken. Der Betrieb an sich sei günstig. «Wir profitieren vom natürlichen Gefälle.»
Sorge bereite auch die ungenügende Absicherung im Störfall. So werde etwa der angedachte Netzverbund mit Gipf-Oberfrick nicht zustande kommen können, weil Gipf-Oberfrick die Schutzzone um die Quelle «Bluemet» nicht erweitern kann, wie Giuliano Sabato erklärte. Ihm sei letztlich egal, woher der Strom komme, so Werner Habermacher, «nur nicht von da oben. Denn Strom nützt uns nichts, wenn wir nicht genug Wasser haben.»