Über die Bezeichnungen der Fasnachtstage
Wie nennen die Narren am Hochrhein den heutigen Auftakt der eigentlichen Fasnacht? Beide Begriffe «schmutzig» und «faiss» bedeuten im Alemannischen «fettig» und beziehen sich auf das Gebäck, das vor ...
Über die Bezeichnungen der Fasnachtstage
Wie nennen die Narren am Hochrhein den heutigen Auftakt der eigentlichen Fasnacht? Beide Begriffe «schmutzig» und «faiss» bedeuten im Alemannischen «fettig» und beziehen sich auf das Gebäck, das vor der Fastenzeit gegessen wurde.
Boris Burkhardt
Erstmals ist im Fasnachtsbüchlein der Fasnachtsgesellschaft Rheinfelden (FGR) die Rede vom «3. Schmutzige» für den heutigen Auftakt der eigentlichen Fasnacht, wo doch in der Stadt wie im übrigen Fricktal traditionell vom Dritten Faissen gesprochen wird. Marcello Flückiger, Vizepräsident der FGR, erklärt gegenüber der NFZ: «Wir sprechen hier offiziell vom Faisse. Aber es gibt auch solche, die vom Schmutzige Dunnschtig sprechen. Wir schreiben ‚Schmutzige Dunnschtig‘, weil es mehr verstehen.» Der Schmutzige Dunnschtig ist die weitestverbreitete Bezeichnung für diesen Donnerstag in der Schwäbisch-Alemannischen Fasnacht bis in die Innerschweiz hinein. Eine Folge des Schweizer «Tatort», der an der Luzerner Fasnacht spielt, heisst sogar «Schmutziger Donnerstag». Der Name rührt nicht etwa vom «Schmutz», also Dreck, her, sondern ist ein alemannischer Ausdruck für «fettig» und bezieht sich auf das frittierte Gebäck, das zur Fasnacht üblich war und ist. So bestätigt auch Michael Birlin, Oberzunftmeister der Narrenzunft in Badisch-Rheinfelden: «In Rheinfelden spricht man vom Schmutzige Dunnschtig.» Auch die Narren in Wyhlen, Herten und Degerfelden sprechen vom Schmutzige Dunnschtig, wie sie der NFZ auf Nachfrage mitteilen.
Hier kennt man die Faissen
Doch schon in Karsau kennt man die drei Faissen Donnerstage. Auch dieser Begriff, in verschiedenen Varianten (feiss, feis, fais oder auch feisst) geschrieben, bedeutet im Alemannischen «fett». Diese Bezeichnung hat am Hochrhein östlich von Rheinfelden weite Verbreitung. Auch die Narren in Schwörstadt und Öflingen feiern drei Faisse; besondere Bedeutung haben diese drei Donnerstage in beiden Laufenburg und in Waldshut, wo früh morgens die Tschättermusik beziehungsweise die Geltentrommler unterwegs sind. Aber auch in den anderen Fasnachtsorten am Hochrhein beginnt die eigentliche Fasnacht schon zwei Wochen vorher: In Kaisten wird bereits am Ersten Faissen der Haldejoggeli befreit, in Möhlin-Ryburg der Schlüssel übergeben und in Karsau der Narrenbaum gestellt. Warum es von den Faissen Donnerstagen gleich drei, vom Schmutzigen Donnerstag aber nur einen gibt, liess sich nicht herausfinden. Der Übergang vom Faisse zum Schmutzige Dunnschtig lässt sich heute offensichtlich weniger an der Geografie als an der Demographie festmachen, wie das Beispiel Rheinfelden zeigt. Aber auch Michaela Franz, Vorsitzende der Froschen-Clique aus Minseln, berichtet: «Wir sprechen vom Faissen, wobei die jüngeren Leute heute den Begriff nicht mehr kennen und Schmutziger Donnerstag sagen.»
Und der Rosenmontag?
Der Rosenmontag als Name für den Fasnachtsmontag hat sich in fast allen deutschen Fasnachtsorten am Hochrhein etabliert, mit der dezidierten Ausnahme von Wehr. Der Begriff bezieht sich vermutlich auf die Goldene Rose, die der Papst seit dem 11. Jahrhundert am Sonntag Laetare, Mittfasten, als Auszeichnung an verdiente Persönlichkeiten verlieh, und wurde so im Kölner Karneval geprägt.
Er ist auf Schweizer Seite des Hochrheins deshalb tabu – bis auf Möhlin, wo Zunftmeister Christian Fritschin auf die Frage, ob es den Begriff in der Fasnachtzunft Ryburg (FZR) gibt, schreibt: «Früher ja, mittlerweile ist er aber der Fasnachtsmontag.»