Alle Dinge haben zwei Seiten, manche sogar ein paar mehr. Kürzlich hat eine deutsche Zeitung, die gleich bei uns ennet der Grenze erscheint, kritisch über den Einkaufstourismus geschrieben – respektive über die Schweizer, die durch ihr Einkaufsverhalten Staus auf deutscher ...
Alle Dinge haben zwei Seiten, manche sogar ein paar mehr. Kürzlich hat eine deutsche Zeitung, die gleich bei uns ennet der Grenze erscheint, kritisch über den Einkaufstourismus geschrieben – respektive über die Schweizer, die durch ihr Einkaufsverhalten Staus auf deutscher Seite verursachen. Das Echo liess nicht lange auf sich warten. Eine Leserin, ebenfalls aus Deutschland, machte darauf aufmerksam, dass es wochentags bereits morgens Staus gibt. Aber nicht von Schweizer Schnäppli-Jägern, sondern von deutschen Grenzgängern, die in der Schweiz arbeiten und die abends bei der Rückkehr wieder Staus verursachen.
Ein anderer deutscher Leser wertet den Stau, der von Einkaufstouristen verursacht wird, gar als positiv: «Zeigt er doch, dass gewisse Geschäfte einen guten Job machen und ein kundenorientiertes Angebot mit gutem Service vorhalten, das Gefallen findet und angenommen wird.» Er wird noch deutlicher: «Unsere Wirtschaft bricht aktuell ein, die Gastronomie ebenfalls. Immer mehr verlieren ihre Arbeit. Und da regt man sich auf, weil noch in einer kleinen Rest-Ecke von Deutschland der Handel funktioniert und zu bestimmten Zeiten Stau ist?»
Wie gesagt, alles hat zwei Seiten. Oder anders ausgedrückt: Der Stau sorgt zwar vorübergehend für Stillstand, doch er ist ein Zeichen, dass es noch läuft.
DER SALZSTREUER
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