Eigenlob will geübt sein. Der Kanton Aargau bemüht sich redlich. Kürzlich hat er stolz mitgeteilt, dass er im interkantonalen Vergleich ein sehr tiefes Ausgabenniveau aufweise. Die Nettoausgaben pro Kopf liegen 24 Prozent unter dem Durchschnitt der übrigen Kantone, hält ...
Eigenlob will geübt sein. Der Kanton Aargau bemüht sich redlich. Kürzlich hat er stolz mitgeteilt, dass er im interkantonalen Vergleich ein sehr tiefes Ausgabenniveau aufweise. Die Nettoausgaben pro Kopf liegen 24 Prozent unter dem Durchschnitt der übrigen Kantone, hält die Regierung fest. Das ist doch was. Der Regierungsrat sieht sich deswegen in seiner bisherigen Finanz- und Ausgabenpolitik bestätigt. Was bei dieser Meldung fast etwas untergeht, jedenfalls deutlich weiter hinten erwähnt wird: Der Kanton gibt nicht nur weniger aus als viele andere Kantone, ihm steht auch deutlich weniger Geld zur Verfügung. Konkret: Seine Finanzkraft liegt 27 Prozent unter dem Durchschnitt der übrigen Kantone. Mit anderen Worten: Der Aargau gibt 24 Prozent weniger aus, nimmt aber 27 Prozent weniger ein. Das ist fast so, als würde ein Normalbürger damit prahlen, dass er viel tiefere Ausgaben als die Familie Rockefeller hat. Was ebenfalls zur Wahrheit gehört: Der Kanton gibt so wenig aus, weil er vieles auf die Gemeinden abschiebt; er spart also auf Kosten der anderen.
Blicken wir der Wahrheit ins Gesicht: Der Aargau ist wie ein Läufer, der beim Marathon weit hinten liegt, aber stolz darauf hinweist, dass er sehr effizient schwitzt.
DER SALZSTREUER
salzstreuer@nfz.ch