Die Frage ist ernst gemeint: «Retten die Senioren die Clubszene?», titelte kürzlich eine Schweizer Zeitung. Offenbar gehen ältere Semester vermehrt in Clubs. Und damit sind nicht Briefmarkenoder Kochclubs gemeint. Sondern richtige Nachtclubs, in denen getanzt und gefeiert ...
Die Frage ist ernst gemeint: «Retten die Senioren die Clubszene?», titelte kürzlich eine Schweizer Zeitung. Offenbar gehen ältere Semester vermehrt in Clubs. Und damit sind nicht Briefmarkenoder Kochclubs gemeint. Sondern richtige Nachtclubs, in denen getanzt und gefeiert wird, bis die künstlichen Hüft- und Kniegelenke wackeln. Ü60-Partys erleben einen Boom, aber sie heissen natürlich nicht so. Schon eher «Silver Groove», «Rolling Bones», vielleicht auch «Dead can dance» – oder so ähnlich.
Während die Jugend seltener ausgeht – und auch noch weniger säuft –, entdecken die Seniorinnen und Senioren das ausschweifende Nachtleben. Die Jungen haben dafür kaum mehr Zeit, die werden zwischen Arbeitsplatz, Work-Life-Balance und Fitness-Studio dermassen geschlaucht, dass es nachts höchstens noch für ein bisschen Netflix reicht. Vielleicht machen die Älteren einfach das, was die Jüngeren vergessen haben: leben. Sie tanzen nicht, um gesehen zu werden, sondern weil sie noch können. Keine Selfies, keine Stories – höchstens jemand, der im Stroboskoplicht seine Lesebrille sucht oder sein Hörgerät leiser stellen will. Und nach der Party geht es dann direkt zum Sonntagsbrunch.
DER SALZSTREUER
salzstreuer@nfz.ch