Quer und queer durch das Repertoire

  15.01.2026 Laufenburg

Zum Auftakt des Jubiläumsjahres anlässlich seines 25-jährigen Bestehens und zum Abschluss der Ausstellung «Disobedient Constellations» hat das Laufenburger Rehmann-Museum am Sonntag zu einem Neujahrskonzert mit dem Ensemble Fiacorda Basel eingeladen.

Michael Gottstein

Angekündigt war «eine berührende und inspirierende Hommage an die Vielfalt der Liebe, des Lebens und der Kreativität», und das Ensemble konnte diesem Anspruch gerecht werden.

Gleichwohl, so Geschäftsführerin Patrizia Solombrino, habe der Titel «Queer durch die Musik» wohl einige potenzielle Gäste vom Besuch abgehalten. Auf dem Programm standen Werke von tatsächlich oder mutmasslich homosexuellen Komponisten. Deren Leben verlief zwar «ausserhalb der Norm», doch die meisten Werke waren Teil des etablierten Kanons und boten einen ungetrübten Hörgenuss. Einen erheblichen Anteil daran hatte Robert Zimansky, der die Kompositionen von Francis Poulenc, Camille Saint-Saëns, Peter Tschaikowsky und George Gershwin auf die Besetzung durch das Basler Ensemble zugeschnitten hatte, das sind im Einzelnen Philippe Villafranca und Naomi Lozano (Violinen), Teodor Dimitrov (Viola), Gunta Abele (Cello), Gengpei Li (Kontrabass), Karin Dornbusch (Klarinette), Marie-Thérèse Yan (Fagott) und Eda Paçaci (Horn).

Zwischen Klassik und Romantik stehend, ist Schuberts «Scherzo» in F-Dur eine der wenigen Kompositionen für die Oktett-Besetzung. Den Scherzo-Teil spielte das Ensemble mit energischem Zugriff, aber niemals outriert, sondern stets mit Leichtigkeit und Elan in ausgewogener klanglicher Balance. Der schlanke Ton der Streicher eignete sich ideal zur Entfaltung der sanglichen Themen im lyrischen Trio-Teil mit seinem romantischen, aber nicht zu abgründigem Sentiment.

Von der Tiefe der Spätromantik zur Klarheit der Neuklassik
Ein später Ausläufer der Romantik ist Samuel Barbers «Adagio für Streicher». Formal eher traditionell und auf dem Boden der Tonalität stehend, aber deren Möglichkeiten ausreizend, zeigte sich das Adagio als ebenso expressives wie klangschönes Werk. Die aufsteigenden Themen erklangen in den verschiedenen Streicherfarben, und das Ensemble überzeugte durch seine dynamisch differenzierte Gestaltung und die Fähigkeit, die Melodie in einem grossen Bogen zu einem emotionalen Höhepunkt zu führen, der sich weniger durch Lautstärke als durch Intensität auszeichnete. Ein Beispiel für die Gegenbewegung zur Spätromantik war die Neuklassik, die mit Poulencs «Kleinen Kinderstücken» vertreten war: Schlichten, aber keineswegs simplen Werken, die mit klaren Melodien und Harmonien, gewürzt durch eingestreute Dissonanzen, aufwarteten.

Die Begeisterung der Romantiker für «exotische» Musik spiegelt sich in Saint-Saëns’ «Havanaise». Weniger tiefgründig und gefühlsintensiv als vielmehr gefällig und verspielt, ist das Werk eine wunderbare Gelegenheit für Violinisten zur Zurschaustellung ihrer Virtuosität. Philippe Villafranca bewältigte mit schlankem Ton und scheinbarer Mühelosigkeit die Akkordgriffe, Skalen, Glissandi und Ausflüge in extreme Höhenlagen. Nicht oft zu hören ist das Streichquartett in e-moll von Ethel Smyth (1858 bis 1944), die sich ihr Studium am Leipziger Konservatorium in einer Zeit erkämpft hatte, als Frauen die Fähigkeit zum Komponieren oft abgesprochen wurde. Das «Allegretto lirico» zeigt den Einf luss der romantischen Schule und die Beherrschung des kompositorischen Handwerks, aber auch individuelle Züge, die eine Wiederentdeckung dieser Komponistin lohnenswert erscheinen lassen.

Ihren grossen Auftritt hatte die Cellistin Gunta Abele in Tschaikowskys «Pezzo capriccioso»: Mehr noch als die souveräne Beherrschung der Technik im virtuosen Schlussteil beeindruckten die grosse Geste und die Leidenschaftlichkeit, mit der sie das Cello-Thema emotional auflud und in aller Klangschönheit zelebrierte. Zum Abschluss präsentierte das Ensemble Ausschnitte aus Gershwins Jazz-Oper «Porgy and Bess», die Farbenreichtum, Vitalität und mitreissende Rhythmen verbanden. Ein gelungener Jahresauftakt.


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