Neues Buch, erste Seite
06.01.2026 MöhlinZwischen Stille und Zuversicht: Als Gemeindeammann von Möhlin orchestrierte Loris Gerometta den Auftakt ins neue Jahr.
Ronny Wittenwiler
Auf seine erste Amtshandlung als neuer Gemeindeammann folgte Stille. Loris Gerometta bat um eine Schweigeminute. «Unsere Gedanken ...
Zwischen Stille und Zuversicht: Als Gemeindeammann von Möhlin orchestrierte Loris Gerometta den Auftakt ins neue Jahr.
Ronny Wittenwiler
Auf seine erste Amtshandlung als neuer Gemeindeammann folgte Stille. Loris Gerometta bat um eine Schweigeminute. «Unsere Gedanken gehören den Opfern und ihren Angehörigen, den Verletzten und all denen, die in diesen schweren Stunden im Einsatz stehen.» Vorne, auf der grossen Leinwand, das Bild einer Kerze. Crans-Montana bekam in der Möhliner Mehrzweckhalle seinen Platz, und der Gemeindeammann gestand: «Wir fragten uns, ob ein solcher Anlass wie der Neujahrsapéro mit Musik und Begegnungen, gerade in einem solchen feierlichen Rahmen, der richtige ist.»
«Bedeutet mir sehr viel»
Alles war angerichtet, um Möhlin in ein neues Jahr starten zu lassen – und so kam es auch. «Der Anlass steht symbolisch für den Start in meine Amtszeit als Gemeindeammann von Möhlin», sagte Gerometta. «Dieser Moment bedeutet mir sehr viel. Ich stehe hier mit grosser Vorfreude und gesundem Respekt. Mit Respekt vor der Aufgabe, mit Dankbarkeit für das Vertrauen und mit Vorfreude auf den Weg, den wir gemeinsam gehen dürfen.» Ebenso wenig vergass er seine neue Gemeinderatskollegin Eva Staubli, für die der Neujahrsapéro ebenso ein besonderer gewesen sein dürfte. «Ich freue mich auf den frischen Wind, den sie ins Team bringen wird, und ich wünsche ihr einen guten Start.» Im Publikum derweil sass einer, der in den Jahren zuvor den Anlass orchestriert hatte: Markus Fäs, alt Gemeindeammann. Mit einem warmen Applaus hatten ihn die Anwesenden begrüsst.
Mit den Worten Kierkegaards
Der Auftakt ins neue Jahr mit musikalischen Klängen, Sportlerehrung und den begehrten belegten Brötchen folgte dem bekannten Protokoll – und doch wurde mit Loris Gerometta als Gemeindeammann ein neues Buch geöffnet. Niedergeschrieben steht dort nun, wie sich Gerometta den dänischen Philosophen Søren Kierkegaard zu Herzen nahm: Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden.
Und so meinte der Gemeindeammann an diesem Abend des 2. Januar 2026: «Der Rückblick zeigt, was uns stark macht. Die Zukunft fordert uns heraus, nutzen wir unsere Stärken. Lasst uns mit Zuversicht nach vorne blicken, selbst wenn das weltweite Geschehen uns manchmal Sorgen bereitet.» Denn so sehr diese Sorgen – ein instabiler Weltfriede, Herausforderungen wie soziale Gerechtigkeit oder Klimakrise – nicht unerwähnt blieben, so war es auch ein Appell dessen, was im Kleinen wachsen könne. «Wenn wir zusammenhalten und unterschiedliche Sichtweisen zulassen, wenn wir aufeinander zugehen, zuhören und Anstand walten lassen – dann können wir gemeinsam tragfähige Lösungen schaffen.» Genau dieses Zusammenspiel mache Möhlin als Gemeinde stark, sagte Gerometta. Sein Dank und der grösste Respekt gehörten deswegen auch jenen, die in diesem Dorf immer wieder ihren Beitrag dazu leisten würden. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Gemeindeammann bereits beantwortet, was er vor einer Schweigeminute mit bewegender Stille zuerst hinterfragt hatte. «Ich glaube, gerade auch in solchen Zeiten ist es wichtig, zusammenzukommen und Gemeinschaft zu spüren. Menschlichkeit, Nähe und Solidarität tragen unsere Gesellschaft. In guten Momenten – aber auch in schweren wie diesen.»
Der Neujahrsapéro 2026 war einer mit Stille im richtigen Moment; einer aber auch, an dem man sich die Zuversicht nicht nehmen liess. «Im Namen des Gemeinderats wünsche ich Ihnen ein gesundes, inspirierendes und erfüllendes 2026», schloss der neue Gemeindeammann.
Und die nächsten Kapitel dieses frischen Buchs warten darauf, geschrieben zu werden.
Bühne frei
Erneut ehrte die Gemeinde junge und etwas weniger junge Persönlichkeiten für ihre Erfolge im abgelaufenen Jahr. So etwa Beachvolleyballer Leo Dillier, der den WM-Achtelfinal in Australien erreichte. Mehrere Medaillengewinner an Schweizermeisterschaften gab es wieder im Radball und im Wasserfahren, und im Badminton für Gehörlose (Deaf Badminton) brillierten Marvin Müller, Danny Müller und Daniel Müller national beziehungsweise international. Mara Hodel gewann in ihrer Kategorie (Jahrgang 2018) über 60 Meter Sprint überlegen den Final des UBS Kids Cup, und die Ryburger Tambouren räumten am Zentralschweizerischen gleich reihenweise ab (unter anderem mit Festsieger Stefan Freiermuth und einem Doppelsieg von Christoph Burkhalter und Patrick Schaub bei den Veteranen). Zur hier unvollständigen Liste gehört auch die Schüler-Band «The Returners» mit Samuel Binkert, Elea Erdin, Lean und Maël Melone und Miro Weber. Die Band gewann einen nationalen Wettbewerb und durfte auf dem Barfüsserplatz im Rahmen der ESC-Woche in Basel aufspielen. «The Returners» gab am Neujahrsapéro eine Kostprobe. Den Anlass zudem umrahmt hatte die Musikgesellschaft Möhlin. (rw)


