Neue Kritik an Postauto AG
22.01.2026 FricktalMitarbeiter melden sich zu Wort
Mehrere Postauto-Chauffeure und Passagiere haben sich auf den NFZ-Artikel über Mängel bei den Postautos gemeldet. Kritikpunkte wurden bestätigt und neue hinzugefügt.
Susanne Hörth
«Ich kann die gemachten ...
Mitarbeiter melden sich zu Wort
Mehrere Postauto-Chauffeure und Passagiere haben sich auf den NFZ-Artikel über Mängel bei den Postautos gemeldet. Kritikpunkte wurden bestätigt und neue hinzugefügt.
Susanne Hörth
«Ich kann die gemachten Vorwürfe eins zu eins bestätigen», meldete sich ein Mann telefonisch (Name der Redaktion bekannt) auf den NFZ-Artikel vom 9. Januar. Der Mann, selbst Postauto-Chauffeur, bestätigte nicht nur die im Artikel geäusserte Kritik an der Postauto AG, sondern fügte weitere Punkte hinzu. «Die Situation im Unternehmen hat sich meiner Meinung nach katastrophal verschlechtert», bedauert er und nennt als Grund die im Jahr 2024 vollzogene Restrukturierung. Früher habe es in jeder «Regie» eine für die Fahrzeuge verantwortliche Person gegeben, die sich nach Hinweisen der Fahrerinnen und Fahrer um die Behebung der beanstandeten Mängel kümmerte. Das sei heute nicht mehr so.
Massive Kritik
Auf gemeldete Defekte wie abgefahrene Pneus, Probleme bei den Türen, defekte Heizungen, nicht einrastende Fahrersitze und anderes passiere oft lange nichts; immer wieder würden Einträge sogar ganz verschwinden. «Wir haben Postautos im Einsatz, die vom Alter und von der Kilometeranzahl her ihre Lebenszeit längst überschritten haben», so der Mann. Diese Aussage sowie Hinweise auf den verschlechterten Zustand der Fahrzeuge hört die NFZ mehrfach aus verschiedenen Quellen. «Das spüren auch die Passagiere», sagt ein Mann, dessen Partnerin lange Zeit als Postauto-Fahrerin tätig war.
«Eine Frau hat sich besorgt an mich gewandt. Das Geräusch, das sie beim Fahren unter ihrem Sitz wahrnahm, sei sicher nicht normal. Ich gab diese Beanstandung weiter – passiert ist nichts», erklärt der zuerst erwähnte Chauffeur. Wie er betonen auch andere Fahrer – nicht nur aus dem Fricktal: «Wir Chauffeure sind die direkten Ansprechpersonen für die Fahrgäste. Wir möchten die Situation für sie wie auch für uns unbedingt verbessern.» Darauf hofft auch eine weitere Informantin der NFZ. Die Frau ist regelmässig als Passagierin mit dem Postauto unterwegs und habe den Fahrer schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die Heizung nicht funktioniere.
Kursausfälle werden hingenommen
Heute, sagt wiederum ein anderer Fahrer, lasse man auf Anweisung von oben lieber einen Kurs ausfallen. Früher habe man «Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit das nicht passiert». In einem Kommentar weist ein NFZ-Leser zudem auf die laufende Neu-Ausschreibung von Postauto-Linien hin. Das verunsichere auch die bei Postauto angestellten Chauffeure. Einer von ihnen meint: «Mir tut es weh, dass das Postauto-Management den Sparhammer angesetzt hat.»
Die NFZ hat – wie bereits beim ersten Artikel – die Postauto AG kontaktiert. «Unsere Antwort vom 6. Januar können wir nur wiederholen und betonen: Sicherheit hat Vorfahrt!», erklärt Katharina Merkle von der Medienstelle. «Die Sicherheit unserer Fahrgäste, des Fahrpersonals und der anderen Verkehrsteilnehmenden hat absolute Priorität.» Auch im Fricktal würden ausschliesslich Fahrzeuge auf die Strasse geschickt, die gewartet und ordnungsgemäss geprüft seien. Stelle sich beim morgendlichen Sicherheitscheck heraus, dass ein Fahrzeug einen sicherheitsrelevanten Mangel aufweise, werde es nicht eingesetzt.
Zum Vorwurf der überalterten Postautos führt sie aus: «Im Schnitt sind unsere Fahrzeuge rund zwölf Jahre im Einsatz. Da wir auf Elektro-Postautos umstellen, kommt es in der Übergangszeit vor, dass wir die noch fitten Dieselfahrzeuge länger im Einsatz behalten, bis die Infrastruktur vor Ort für die E-Mobilität bereitsteht.» Die Dieselflotte werde auch in dieser Phase gemäss den strengen Sicherheitsvorgaben gewartet. «Dabei ist es wichtig, mit Augenmass zu handeln. Wenn ein solches Postauto mal einen Kratzer aufweist, braucht dieser nicht umgehend entfernt zu werden. Hier ist eine Priorisierung in Richtung Sicherheit zwingend.»
Damit stehen Aussagen gegen Aussagen. Wo liegt die Wahrheit?

