Weihnachten wird bleiben. Doch die Fichte ist Geschichte.
Die Gemeine Fichte – im Volksmund als Rottanne bekannt – war über ein Jahrhundert lang der wirtschaftlich bedeutendste Baum der Region. Der Wind hat gedreht.
Ronny Wittenwiler
Praktisch die ...
Weihnachten wird bleiben. Doch die Fichte ist Geschichte.
Die Gemeine Fichte – im Volksmund als Rottanne bekannt – war über ein Jahrhundert lang der wirtschaftlich bedeutendste Baum der Region. Der Wind hat gedreht.
Ronny Wittenwiler
Praktisch die längste Zeit war die klassische Fichte das Weihnachtsbäumchen schlechthin. «Von ihr müssen wir uns aber langsam verabschieden», sagt Urs Steck, Leiter des Forstbetriebs Region Möhlin. Im hiesigen Forst pflanze man seit fünf, vielleicht sechs Jahren keine Fichten mehr an. Der Grund, man ahnt es vielleicht: veränderte Bedingungen.
Die Gebeutelte
«Die Fichte ist keine klimatolerante Baumart», sagt Steck. Noch weit ins letzte Jahrhundert zurück war sie aus wirtschaftlicher Sicht hingegen der Brotbaum schlechthin in der Region. Es entstanden im Wald regelrechte Monokulturen, zu zehntausenden wurden Fichten als Nutzholz gepflanzt, auch im Möhliner Forst. Doch längst hat der Wind gedreht. «Seit zwanzig, dreissig Jahren bluten wir dafür», sagt Steck. Steigende Temperaturen und anhaltende Trockenperioden machen es der Fichte schwer. «Als Flachwurzler speichern sie kaum Wasser, dadurch sind sie anfälliger für den Borkenkäfer, anfälliger für Sturmschäden.» All das hat Auswirkungen.
Für das Aufforsten sogenannter Schadflächen mit Fichten entrichtet der Kanton keine Beitragszahlungen mehr. «Die Aufforstung mit Eichenbeständen oder anderen Laubhölzern hingegen wird unterstützt», sagt Steck. «Grundsätzlich wären unsere Wälder von Natur aus Laubwälder. Jetzt gehen wir wieder in diese Richtung.» Kurzum: Die Fichte ist Geschichte, und so wird sie auch als klassisches Weihnachtsbäumchen aus den hiesigen Stuben verschwinden. Doch allein deshalb wird niemand gezwungen sein, an Heiligabend die Geschenke unter eine Eiche oder einen anderen Laubbaum legen zu müssen. «Achtzig Prozent unserer verkauften Weihnachtsbäume waren schon jetzt Nordmanntannen aus Kulturen», blickt Steck auf die jüngsten Zahlen zurück. Die Nordmanntanne sei viel weniger heikel. «Uns ist es aber ein Anliegen, dass die Leute im Dorf und der Region wissen, weshalb wir ihnen kaum mehr Fichten aus dem Wald anbieten können.» Als zusätzliche Alternative zur Gemeinen Fichte bietet sich zudem die sogenannte Stechfichte aus Kulturen an – aufgrund ihrer Färbung im Volksmund bisweilen Blautanne genannt. Auch sie, zusammen mit der Nordmanntanne, wird in den kommenden Jahren die Gemeine Fichte in den Stuben ablösen. Und wer weiss: Vielleicht gehörte die mit Lametta und Kugeln geschmückte Schönheit für die meisten sowieso immer nur zur selben Gattung – im Volksmund bekannt als Weihnachtsbäumchen.
Rund 800 Bäume
Der Forstbetrieb Region Möhlin beziehungsweise die Ortsbürger haben 2025 gegen 400 Weihnachtsbäume in Möhlin verkauft, zuzüglich der Lieferung an Zeiningen, Zuzgen und Hellikon waren es rund 800. «Tendenziell ist der Weihnachtsbaumverkauf leicht rückläufig», sagt Steck. (rw)