Niklaus Leemann
Mit unseren Freunden in Frankreich und den USA teilen wir eine schöne Tradition: Der Nationalfeiertag wird im warmen Sommer gefeiert – mit gutem Essen und einem kühlen Getränk. In den USA mit Hamburger und Bier, in Frankreich mit Merguez, Baguette und ...
Niklaus Leemann
Mit unseren Freunden in Frankreich und den USA teilen wir eine schöne Tradition: Der Nationalfeiertag wird im warmen Sommer gefeiert – mit gutem Essen und einem kühlen Getränk. In den USA mit Hamburger und Bier, in Frankreich mit Merguez, Baguette und Rosé. Und in der Schweiz mit Wurstsalat und Fricktaler Bier.
Doch das Nationalfeiertagsmenü belastet in den drei Nationen die privaten Budgets unterschiedlich stark. Seit 2019 – also seit der Inflationswelle nach der Pandemie – verteuerte es sich in den USA um rund 31 Prozent und in Frankreich um 22 Prozent. In der Schweiz stieg der Menüpreis lediglich um rund 6 Prozent. Während viele Länder mit kräftigen Preisschüben kämpften, blieb die Inflation hierzulande vergleichsweise tief – unter anderem weil der starke Franken die importierte Inflation dämpfte.
Entscheidend ist allerdings nicht nur, wie stark die Preise steigen, sondern ob die Löhne mithalten können. In den USA legten sie seit 2019 um rund 28 Prozent zu, in Frankreich um 16 Prozent. Die Preise für das Nationalfeiertagsmenü stiegen dort also stärker als die Einkommen. In der Schweiz war es umgekehrt: Die Löhne stiegen um rund 7 Prozent und damit leicht stärker als das Nationalfeiertagsmenü.
So darf am 1. August angestossen werden: auf die Schweiz, auf ihre stabile Kaufkraft – und auf ein Fricktaler Bier mehr, ohne schlechtes Gewissen beim Blick aufs Budget. Proscht!
In der Kolumne «Die Wirtschaft sind wir» beschreibt der Ökonom und Unternehmensberater Niklaus Leemann, wie die Wirtschaft fester Bestandteil unserer Gesellschaft und unseres Lebens ist.