Nachtzeichnungen und ein Gespräch über die Dunkelheit
Kul’Tour Gipf-Oberfrick organisierte zur «Nacht der Sterne» im Jurapark zwei Veranstaltungen mit der Designerin, Forscherin und Künstlerin Chantal Meng.
In ihrer interdisziplinären Arbeit untersucht Chantal Meng, wie ...
Nachtzeichnungen und ein Gespräch über die Dunkelheit
Kul’Tour Gipf-Oberfrick organisierte zur «Nacht der Sterne» im Jurapark zwei Veranstaltungen mit der Designerin, Forscherin und Künstlerin Chantal Meng.
In ihrer interdisziplinären Arbeit untersucht Chantal Meng, wie künstliches Licht unsere Wahrnehmung von Dunkelheit verändert und dabei Ökologie, Politik und das Erleben urbaner Nachtlandschaften prägt. Die Forscherin, aufgewachsen in der Schweiz, lebt und arbeitet in Brooklyn, New York. Für die 99. Etappe von Kul’Tour trat sie an zwei Abenden nacheinander an unterschiedlichen Veranstaltungen auf.
Workshop «Night Drawing» – malen aus einer anderen Perspektive
Eine gemeinsame Expedition in die Dunkelheit versprach die Ankündigung auf dem Flyer von Kul’Tour. Der Abend eignete sich perfekt für eine Reise in die Nacht. Bei Dämmerung brach die Gruppe der Nachtzeichnerinnen und Nachtzeichner auf, um sich mitten in der Natur auf die Dunkelheit einzulassen. Ein klarer Himmel zeigte erste Sterne, der halbe Mond leuchtete bereits, als sich die Gruppe im Gras oder auf dem Weg auf mitgebrachten Stühlen oder am Boden installierte. Es wurde ruhig, die Wahrnehmung veränderte sich, Gerüche verstärkten sich, Geräusche wirkten gedämpft, Distanzen wurden anders wahrgenommen. Wie viele Graustufen sind erkennbar in der zunehmenden Dunkelheit? Wo ist es am hellsten, wo am dunkelsten? Chantal Meng führte ins Thema ein und ermutigte die Teilnehmenden, sich auf die Nacht einzulassen und beim Skizzieren ihrer Wahrnehmung zu folgen. Nachtzeichnungen sind sehr unterschiedlich. Meist sind sie abstrakt und skizzenhaft. Es geht nicht darum, «schöne» Bilder zu zeichnen, sondern ohne Befangenheit auszudrücken, wie die Dunkelheit wahrgenommen wird. Skizzieren in der Nacht ist anstrengend und geschieht unter erschwerten Bedingungen. Es braucht Konzentration, die Wahrnehmung ist in der Dunkelheit ermüdend, der Malprozess kaum sichtbar. Doch die neuen Erfahrungen vermitteln andere Perspektiven und führen zu ruhigen und magischen Momenten.
Gute Nacht – Im Gespräch mit der Dunkelheit
Die Lesung aus Chantal Mengs druckfrischem Buch «Gute Nacht – Im Gespräch mit der Dunkelheit» fand im Atelier Floral statt. Die Lesung war eingebettet in ein Interview und Gespräch mit SRF-Moderator Olivier Borer, welcher gleichzeitig noch den Part der «Dunkelheit» bei der Lesung übernahm, denn die Autorin führt in ihrem Buch einen Dialog mit jener. Olivier Borer verstand es meisterhaft, die gelesenen Textstellen im Interview mit der Autorin in angeregter Diskussion zu vertiefen. Auch das Publikum war ins Gespräch einbezogen und diskutierte mit über die Bedeutung und die Erfahrungen mit der Dunkelheit.
Die Dunkelheit begleitete das Publikum auch auf dem Heimweg, denn anlässlich der ersten «Nacht der Sterne» im Jurapark war die öffentliche Beleuchtung in Gipf-Oberfrick für eine Nacht komplett ausgeschaltet. (mgt)