Nachhaltige Wege zurück in den Sport
27.01.2026 RheinfeldenPrävention rückt stärker in den Fokus
Bereits früh im Jahr stand am vergangenen Donnerstag der erste Themenvortrag des Gesundheitsforums Rheinfelden an. «Wir sind auch dieses Jahr in den verschiedensten Themenkreisen unterwegs; um aufzuklären und Tipps ...
Prävention rückt stärker in den Fokus
Bereits früh im Jahr stand am vergangenen Donnerstag der erste Themenvortrag des Gesundheitsforums Rheinfelden an. «Wir sind auch dieses Jahr in den verschiedensten Themenkreisen unterwegs; um aufzuklären und Tipps für praktische Präventionsarbeit an die Hand zu geben», freute sich Béa Bieber, Präsidentin des Gesundheitsforums bei der Begrüssung.
Sportverletzungen gehören zum Alltag vieler Athletinnen und Athleten, aber auch vieler Breitensportler. Wie gelingt eine sichere Rückkehr in den Sport – und wie lassen sich erneute Verletzungen vermeiden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Veranstaltung «Anpfiff zur Heilung – Wege zurück aufs Spielfeld ohne Langzeitschäden», organisiert vom Gesundheitsforum Rheinfelden. Interessierte und aktive Sportler wurden für ihre Teilnahme am Vortragsabend in der Reha Rheinfelden mit Fachexpertise und konkreten Tipps belohnt. Im Mittelpunkt standen aktuelle Erkenntnisse zu Kreuzband- und Knieverletzungen sowie der nachhaltige Umgang mit Rehabilitation und Prävention.
Hohe Verletzungszahlen – insbesondere bei Jungen
Dr. med. Julian Röhm, leitender Arzt der Altius-Klinik Rheinfelden und erfahrener Verbandsarzt im Leistungs- und Spitzensport, sprach über aktuelle Operationsmethoden und präsentierte eindrückliche Zahlen aus der Sportmedizin. Allein in der Schweiz erleiden jährlich mehrere Tausend Sportlerinnen und Sportler einen Kreuzbandriss. Besonders alarmierend: Junge Frauen haben ein bis zu sechsfach erhöhtes Risiko für eine Kreuzbandverletzung; das Re-Verletzungsrisiko nach der ersten Rückkehr in den Sport ist 15-mal höher als bei der Vergleichspopulation.
«Ein zu frühes Comeback ist einer der grössten Risikofaktoren für Folgeverletzungen», erklärte Röhm. Studien zeigten, dass das Risiko für einen erneuten Kreuzbandriss in den ersten zwei Jahren nach der Rückkehr besonders hoch sei – vor allem, wenn rein zeitbasierte statt funktionelle Kriterien angewendet würden.
Prävention: Ein grosses, oft unterschätztes Potenzial
Ein zentrales Thema des Abends war für ihn jedoch die Prävention. «Laut den präsentierten Daten lassen sich bis zu 60 Prozent aller Knieund Kreuzbandverletzungen durch gezieltes Präventionstraining vermeiden. Dazu gehören strukturierte Aufwärmprogramme, Kraft- und Koordinationstraining sowie sportartspezifische Bewegungsanalysen», hielt Röhm fest. «Prävention ist keine Zusatzoption, sondern ein integraler Bestandteil des Trainings», betonte Röhm. Besonders im Nachwuchs- und Amateursport werde dieses Potenzial noch nicht ausgeschöpft. «Wer früh in Prävention investiert, spart später lange Reha-Zeiten – und oft auch Operationen», so Röhm weiter. Deshalb engagiert er sich für ein spezielles Kreuzbandriss-Präventionsprogramm für Kinder. «Be kind to your knees, you will miss them when they’re gone».
Die Sportphysiotherapeutinnen Astrid Simon und Sabrina Naegelin der Reha zeigten anhand praxisnaher Beispiele im zweiten Teil des Vortragsabends, wie komplex der Weg zurück in den Sport ist. «Schmerzfreiheit ist kein verlässlicher Marker für Belastbarkeit», erklärte Astrid Simon. Häufig würden Defizite in Kraft, Stabilität oder Bewegungsqualität erst unter hoher Belastung sichtbar.
Sabrina Naegelin ergänzte: «Nicht die Verletzung selbst entscheidet über die sportliche Zukunft, sondern die Qualität der Rehabilitation und Prävention danach.» Individuelle Trainingspläne, regelmässige Tests und eine enge Zusammenarbeit zwischen Medizin, Physiotherapie, Trainerteam und Athletinnen seien entscheidend. Auch sie sprachen sich für eine konsequente Präventionsarbeit aus. «Nachhaltige Gesundheit und Freude an Sport, Erhalt der Beweglichkeit und gezielte Technikschulung sind die beste Prävention gegen Verletzungen» hielten sie fest. «Trainiere klug und nicht hart.»
Grosse Resonanz
Die Fragerunde am Ende der Veranstaltung zeigte den Informationsbedarf rund um Sportverletzungen, sichere Rückkehrstrategien und präventive Massnahmen. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit den Referierenden. «Das Gesundheitsforum dankt den Referierenden für ihren Einsatz und der Reha Rheinfelden für die Gastfreundschaft», heisst es in einer Medienmitteilung. Der nächste Vortragsabend des Gesundheitsforums steht bereits im Februar an: am 26. Februar steht um 19 Uhr im Vortragsaal des Hotels Schützen in Rheinfelden das Thema «ganzheitliche Gesundheit – Resilienz stärken leicht gemacht» an. Auch dieser Vortrag ist kostenlos; eine Anmeldung ist nicht nötig. (mgt)

