Nach 155 Jahren wieder koedukativ
27.02.2026 FricktalSchulheim Effingen: bereit, im neuen Schuljahr Mädchen aufzunehmen
Seit das Bundesamt für Justiz am 1. Januar 2026 die Bewilligung für die Koedukation erteilt hat, sind im Schulheim in Effingen schon einige Anfragen für die Aufnahme von Mädchen und jungen Frauen ...
Schulheim Effingen: bereit, im neuen Schuljahr Mädchen aufzunehmen
Seit das Bundesamt für Justiz am 1. Januar 2026 die Bewilligung für die Koedukation erteilt hat, sind im Schulheim in Effingen schon einige Anfragen für die Aufnahme von Mädchen und jungen Frauen eingegangen.
Simone Rufli
«In der Anfangszeit des Schulheims Effingen, damals noch unter dem Namen Meyer`sche Rettungsanstalt, in Anlehnung an die Stifterin Anna-Elisabeth Meyer-Siegrist, gab es Koedukation im Heim», so Christoph Söffge, Gesamtleiter des Schulheims. Wegen «sittlicher Gefährdung bei der Vereinigung beider Geschlechter» sei dann aber das Ende der Koedukation beschlossen worden und das letzte Mädchen 1878 ausgetreten. Da der Kanton Aargau heute wieder vermehrt auch Plätze für Mädchen benötige, sei vor ein paar Jahren die Anfrage an die Stiftung gekommen, ob das Schulheim auch Mädchen aufnehmen könne.
Mit der Erarbeitung eines neuen Leitbildes, der Ausarbeitung eines neuen Gesamtkonzepts – basierend auf den neuen pädagogischen Grundlagen, den Anforderungen von Bund, Kanton und der UN-Kinderrechtskonvetionen (KRK) – hat der verjüngte Stiftungsrat den Weg frei gemacht, dass nach einem Unterbruch von über 150 Jahren künftig wieder Mädchen und junge Frauen in Effingen aufgenommen werden dürfen.
Bereits einige Anfragen
Seit dem 1. Januar 2026 liegt die Bewilligung des Bundesamts für Justiz vor. Anfragen von Behörden zur Aufnahme von Mädchen kämen bereits seit einem Jahr immer mal wieder, so Christoph Söffge. «Allein seit Jahresbeginn gab es circa zwanzig Anfragen für Platzierungen, davon circa ein Viertel Mädchen.»
Trotzdem werden die ersten Mädchen voraussichtlich erst mit dem Schuljahreswechsel im Sommer ins Schulheim eintreten. Warum nicht gleich? Christoph Söffge: «Im normalen Betrieb ist der grösste Wechsel im Schulheim in der Regel im Sommer mit Austritten vor den Sommerferien und Neueintritten. Unter dem Jahr gibt es zwar auch mal Wechsel, jedoch nur vereinzelt und wenn Mädchen aufgenommen werden sollen, dann ist das Ziel, dass mindestens zwei bis drei Mädchen gleichzeitig aufgenommen werden.» Weiter werde darauf geachtet, dass die Mädchen dann möglichst im gleichen Alterssegment sind und idealerweise auch in der gleichen Klasse unterrichtet werden können.
Zwei Wohngruppen bereit
Die Bewilligung des Bundesamts für Justiz ist zunächst beschränkt auf zwei Wohngruppen, da diese den Vorgaben exakt entsprechen. «Bei den anderen Wohngruppen müssen entsprechend bauliche Massnahmen vorgenommen werden, die zeitnah angegangen werden», so Christoph Söffge. Die Anzahl der Plätze im Schulheim bleibe bei den 34 Wohnund Schulplätzen und bei den 10 Progressionsplätzen, die es bereits gibt, in Zukunft einfach koedukativ.
Eine Umstellung, die alle betrifft
Koedukation verändert das Leben im Schulheim Effingen
Die ersten Mädchen werden voraussichtlich mit dem Schuljahreswechsel ins Schulheim eintreten. Bereits angekommen ist dagegen Vördür.
Simone Rufli
Da es im Schulheim Effingen auch mit Koedukation nicht mehr Plätze gibt, sei auch keine weitere Personalaufstockung geplant, so Gesamtleiter Christoph Söffge. Das Personal wurde in den letzten knapp zwei Jahren in verschiedenen Bereichen aufgestockt, insgesamt um circa vier Vollzeitstellen. Das allerdings aufgrund des Ausbaus der tiergestützten Intervention (TGI) und wegen des Aufbaus der Schulsozialpädagogik (SSP). «Projekthaft ist nun eine weitere Stelle im Aufbau, die Kinder und Jugendliche begleitet, die im Alltag vermehrt Aufmerksamkeit benötigen», so Christoph Söffge.
Ein wichtiger Pfeiler im Konzept des Schulheims ist die tiergestützte Intervention. Nach dem Tod eines Pferdes im vergangenen Jahr konnte Mitte Februar ein neues Therapiepferd gekauft werden – ausgesucht von den für die Tierpflege zuständigen Frauen. Wie die anderen Pferde im Schulheim ist auch «Vördür» (übersetzt: «Wächter») ein Isländer. Vördür ist bereits geschult und daher schnell einsetzbar. Möglich wurde der Kauf unter anderem Dank Spenden.
Jungs- und Mädchenabende
Nicht nur für die Kinder bedeute Koedukation eine Umstellung, auch die Mitarbeitenden müssten sich vorbereiten, so Christoph Söffge. Sie werden durch die pädagogische Leitung begleitet und stehen in Kontakt zu anderen Institutionen, die schon lange praktisch in der Koedukation tätig sind, hospitieren oder holen sich Anregungen. Ebenso wie die Mädchen sich an einem neuen Ort einfinden müssen, werden auch die Jungs in der neuen Situation begleitet. So sieht das Rahmenkonzept etwa die Möglichkeit von getrennten Mädchen- und Jungsabenden vor.
Zwei Gruppen bereit
Aktuell entsprechen nur zwei der fünf Gruppen den Voraussetzungen für die Koedukation. «Deshalb werden derzeit die Weichen für weitere bauliche Massnahmen gestellt, damit auch künftig die Arbeit nach den gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden kann.»
News aus dem Schulheim auf der Homepage www.schulheim-effingen.ch


