Kunden, die Wochen im Voraus buchen und am Tag des Termins einfach absagen oder gar nicht erst erscheinen: Das Phänomen ist längst bei hiesigen Dienstleistern angekommen.
Ronny Wittenwiler
«Jetzt muss ich einfach mal etwas sagen.» Jasmin Hasler steht in ihrem Coiffeursalon ...
Kunden, die Wochen im Voraus buchen und am Tag des Termins einfach absagen oder gar nicht erst erscheinen: Das Phänomen ist längst bei hiesigen Dienstleistern angekommen.
Ronny Wittenwiler
«Jetzt muss ich einfach mal etwas sagen.» Jasmin Hasler steht in ihrem Coiffeursalon «New Style» in Möhlin und verschafft ihrem Ärger über nicht eingehaltene Termine Luft. Wochenlang würden Zeitfenster für Kunden freigehalten und dann – «ruft man einfach am selben Tag an und sagt: Ich kann nicht kommen, ich muss arbeiten, Oder: Ich habe was Besseres vor.» Etwas mehr als eine Minute dauert Haslers Video-Botschaft. «Es ist sehr mühsam», sagt sie und – trifft offenbar einen Nerv. «Dieses Problem habe ich auch bei uns im Restaurant», kommentiert eine Möhliner Wirtin unter den Beitrag. «Deine Worte sind auch meine, gratuliere zu deinem mutigen Video.».
Einbussen auch finanziell
Reservieren, teilweise Wochen im Voraus, und dann an besagtem Tag die kurzfristige Absage – oder im schlechtesten Fall sogar ohne Vorwarnung fernbleiben. Im Englischen hat sich für Letzteres ein Begriff durchgesetzt: Als «No-show» bezeichnet man das Nichterscheinen von Kunden zu einer verbindlich gebuchten Leistung. Doch selbst Absagen auf den letzten Drücker, wie sie Jasmin Hasler schildert, sind ein Problem. «Durch kurzfristige Absagen entstehen Lücken, die wir oft nicht mehr neu besetzen können. Das bedeutet für uns nicht nur organisatorischen Aufwand, sondern auch einen finanziellen Verlust.» Letztlich, sagt sie in ihrem Plädoyer, sei es auch eine Frage des Respekts gegenüber ihrer Arbeit.
Es kommt in Wellen
Anruf in Magden. Dort kennt man das Problem genauso. «Schneiden, Föhnen, Mèche – sie vereinbaren den Termin und sagen im allerletzten Augenblick ab oder sie melden sich gar nicht ab», sagt Lia Jordi, die mit Jutta Häckel den Salon «Coiffeur Humanity» führt. Das Phänomen komme in Wellen vor und betreffe vor allem potenzielle Erstkunden während der Ferienzeit. «Wahrscheinlich, weil es pressiert, schaut man einfach, bei wem man noch am schnellsten einen Termin bekommt.» Das führe dann wohl zu solchen Absagen.
Viel sei sie in den letzten Tagen auf der Strasse angesprochen worden, sagt Jasmin Hasler. Ganz zu schweigen von den vielen Reaktionen über die sozialen Medien. «Das habe ich so nicht erwartet.» Doch habe sie bestätigt bekommen, dass Dienstleister in vergleichbaren Branchen mit dem Phänomen zu kämpfen hätten, Kosmetikerinnen, Fusspflegerinnen etwa. Und dann sagt sie: «Es ist mir auch darum gegangen, für unsere Branche einzustehen.»