«Münzen sind der archäologische Bodenschatz des Fricktals»
06.11.2026 Herznach-Ueken, FricktalIn Ueken wurde das Buch zum spektakulären Münzfund präsentiert
Was 2015 mit dem Fund einiger römischer Münzen auf einem Maulwurfshügel in einer Kirschplantage der Familie Loosli in Ueken begann, stellte sich als aussergewöhnlicher Münzschatz heraus. Es brauchte elf Jahre, um die ...
In Ueken wurde das Buch zum spektakulären Münzfund präsentiert
Was 2015 mit dem Fund einiger römischer Münzen auf einem Maulwurfshügel in einer Kirschplantage der Familie Loosli in Ueken begann, stellte sich als aussergewöhnlicher Münzschatz heraus. Es brauchte elf Jahre, um die über 4000 Münzen vollständig zu erfassen, zu reinigen, zu katalogisieren und in den geschichtlichen Zusammenhang zu stellen. Das Ergebnis ist das Buch «Der Römische Hortfund von Ueken 2015», das jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Petra Schumacher
Obwohl der Münzfund schon lange zurückliegt, ist das Interesse am Thema ungebrochen. Die Turnhalle von Ueken war am Dienstagabend mit gut hundert Zuhörern gefüllt, als zur Buchvernissage eingeladen wurde. In seiner Rede kam Kantonsarchäologe Thomas Doppler direkt auf die zurückliegenden Jahre zu sprechen: «Manchmal braucht Wissenschaft nicht nur Neugier, Präzision und Geduld. Manchmal braucht sie vor allem eins: einen langen Atem. Dieser lange Atem hat die heutige Buchpräsentation erst möglich gemacht.» Thomas Doppler liess die Fundgeschichte noch einmal Revue passieren: «Als die Meldung vom Fund im Sommer 2015 bei uns einging, waren wir elektrisiert und haben schnell reagiert. Bald war klar: Hier liegt ein römischer Münzhort im Boden. Die ersten Untersuchungen ergaben, dass es sich bei den Münzen um Antoniniane aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christus handelte. Schlussendlich konnten über 4000 Münzen geborgen werden. Dieser Fund erwies sich als umfangreichster Hortfund von Antoniniane-Münzen in der Schweiz.»
Fricktaler News ging um die Welt
Nachdem die Ausgrabungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hatten, um den Fund vor Raubgräbern zu schützen, wurde im November 2015 erstmals darüber informiert. Georg Matter, Abteilungsleiter Kultur, der 2015 als Kantonsarchäologe die Bergung des Schatzes begleitet hatte, berichtete: «Unsere Meldung zum Sensationsfund in Ueken haben wir am 19. November um 9.56 Uhr verschickt. Kurz darauf wurde die Nachricht bereits von Newsdienst swissinfo.ch verbreitet. Im Stundentakt ging es dann weiter: Grossbritannien, USA, Indien, Australien – 24 Stunden später war die Nachricht in Japan angekommen. Für einmal ging eine Nachricht aus dem Fricktal um die ganze Welt.» Georg Matter führte weiter aus: «Länder wie China, die USA, der Kongo oder Kasachstan haben Bodenschätze wie Eisen, Kohle oder Uran. Die Bodenschätze des Aargaus sind andere – nämlich archäologische Schätze, wie der Fund hier in Ueken beweist.»
Die Auswertung des Hortfunds begann 2016 und erfolgte als Forschungskooperation zwischen der Kantonsarchäologie und dem Inventar der Fundmünzen der Schweiz (IFS). Das Ergebnis ist nun in der Reihe «Inventar der Fundmünzen der Schweiz» als Band 19 mit dem Titel «Der Römische Hortfund von Ueken 2015» sowohl in gedruckter Form als auch als kostenfreie digitale Publikation erhältlich.
Forschungsfelder im Fricktal
«Münzfunde eröffnen ein Fenster in die Vergangenheit. Sie bieten die Möglichkeit, Netzwerke und Handelswege zu erschliessen sowie das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben besser zu verstehen», erklärte Rahel C. Ackermann, Mitautorin der erschienenen Publikation. «Natürlich standen viele Fragen im Raum. Nicht alle konnten wir bisher beantworten, aber es eröffnen sich neue Forschungsfelder, gerade hier im Fricktal.»
Einige der Anwesenden zeigten sich beim anschliessenden Apéro erstaunt, dass keine Münzen präsentiert wurden. «Wir haben heute Abend nur Münzen in Form von Schoggi-Talern dabei, da es uns um das Buch ging», erklärte Rahel C. Ackermann. Als gute Nachricht verkündigte sie: «Der vollständige Münzschatz wird ab Ende 2027 in Laufenburg zu sehen sein. Mit der Wiedereröffnung des Museums Schiff, wird er dort seinen endgültigen Platz finden.»

