Susanne Hörth
Immer wieder werde ich bedauert, weil ich während meiner Ferien weder ferne Länder bereise noch Safaris erlebe oder meine Füsse im warmen Sand am Meer vergrabe. Der Grund dafür ist ein schöner: unsere tierischen Mitbewohner. Für Bedauern ...
Susanne Hörth
Immer wieder werde ich bedauert, weil ich während meiner Ferien weder ferne Länder bereise noch Safaris erlebe oder meine Füsse im warmen Sand am Meer vergrabe. Der Grund dafür ist ein schöner: unsere tierischen Mitbewohner. Für Bedauern ist da kein Platz – höchstens für ein bisschen Neid, denn wer braucht schon die Serengeti, wenn er zwei Hunde hat, die jeden Spaziergang in ein Naturabenteuer verwandeln?
Damit ich auf Safari gehen kann, muss ich beim Gassigehen nur kurz die Perspektive wechseln und mich ganz nah an alles heranwagen. Da werden Blindschleichen zu Riesenschlangen, tanzende Schmetterlinge zu Paradiesvögeln und der Nachbarskater zum fauchenden Leoparden im Unterholz. Am Rheinufer hinterlasse ich meine Fussabdrücke im feinen Sand, ertaste kleine Muscheln und bilde mir ein, das Meer rauschen zu hören.
Und wenn ich dann heimkomme, müde von all den Abenteuern, denke ich: Wer sagt eigentlich, dass man weit reisen muss, um die Welt zu entdecken? Manchmal reicht ein Hund, ein Fluss und ein bisschen Fantasie – und schon hat man mehr erlebt als jeder Pauschaltourist mit All-inclusive-Bändeli.