Susanne Hörth
Es war einer dieser harmlosen Vor-Oster-Momente, in denen man als Grossmutter noch glaubt, ein bisschen Magie in die Welt streuen zu können. Also erinnerte ich meinen siebeneinhalbjährigen Enkel daran, dass der Osterhase bald komme – mit Schoggihasen und ...
Susanne Hörth
Es war einer dieser harmlosen Vor-Oster-Momente, in denen man als Grossmutter noch glaubt, ein bisschen Magie in die Welt streuen zu können. Also erinnerte ich meinen siebeneinhalbjährigen Enkel daran, dass der Osterhase bald komme – mit Schoggihasen und Schoggieili, vielleicht sogar einem kleinen Geschenk. Ob er sich denn darauf freue, wollte ich erfahren. Der Bub schaute mich etwas zweifelnd an, um mich dann darüber aufzuklären, dass es den Osterhasen gar nicht gebe. Den Schoggihasen und das Geschenkli würden selbstverständlich Mami und Papi verstecken. Und wenn er ein echtes Ei finden würde, dann sei das wahrscheinlich aus einem echten Vogelnest gefallen. «Du darfst das nicht anfassen, vielleicht holt es die Vogelmutter wieder.»
Wahrscheinlich war mein Gesichtsausdruck der Grund dafür, dass er meinen Arm sanft tätschelte und meinte: «Wenn Du mir auch ein Geschenkli geben möchtest, dann tue ich einfach so, als ob es der Osterhase gebracht hätte, gell.»
Ja, mein Enkel ist wirklich ein kleiner Diplomat. Einer, der weiss: Manchmal ist es besser, den Erwachsenen ihre Illusionen zu lassen.