Susanne Hörth
Der Morgen empfängt mich mit Stille, Hunden und dem Sprichwort: «Morgenstund hat Gold im Mund.» Ich suche dieses Gold jeden Tag. Manchmal finde ich es im ersten Vogelzwitschern, manchmal im warmen Fell der Hunde – und manchmal gar nicht. Auch gut. ...
Susanne Hörth
Der Morgen empfängt mich mit Stille, Hunden und dem Sprichwort: «Morgenstund hat Gold im Mund.» Ich suche dieses Gold jeden Tag. Manchmal finde ich es im ersten Vogelzwitschern, manchmal im warmen Fell der Hunde – und manchmal gar nicht. Auch gut. Denn ich weiss doch: «Es ist nicht alles Gold, was glänzt», und doch glänzt der frühe Morgen unabhängig von der Jahreszeit oft genug, um mich zu versöhnen und auf einen hoffentlich guten Tag einzustimmen. Durch diesen bewege ich mich wie eine gut geölte Maschine, die ab und zu knarzt, aber zuverlässig läuft. Schliesslich: «Wer rastet, der rostet».
Im Geschäft dann die erste Mail, die mit «Liebe Frau…» beginnt und mit «en härzleche Gruess» endet. Sie erinnert mich daran, dass «Der Ton die Musik macht» – und dass Freundlichkeit eine Melodie ist, die man gern hört. Später dann zuhause im Garten bringt mich der Nachbarsbub zum Lachen: «Bisch du eigentli älter als dini uralte Schildis?» Tja: «Kindermund tut Wahrheit kund».
Nach getaner Gartenarbeit denke ich über «Eine Hand wäscht die andere» nach. Ich bin froh, dass ich zwei habe. Erde ist doch wirklich etwas Hartnäckiges.
Und am Ende des Tages, wenn alles erledigt ist, weiss ich: «Was du heute kannst besorgen…» lohnt sich. Auch wenn man «Den Tag nicht vor dem Abend loben» soll – ein kleines Lächeln darf es dann doch sein.