Susanne Hörth
Während ich an der Ampel warte, sehe ich einem Mann zu, der neben der Strasse in aller Herrgottsfrüh ein riesiges Plakat auf die dafür vorgesehene Stellwand streicht. Mit stoischer Ruhe drückt er mit dem Besen eine sich immer wieder lösende Ecke ...
Susanne Hörth
Während ich an der Ampel warte, sehe ich einem Mann zu, der neben der Strasse in aller Herrgottsfrüh ein riesiges Plakat auf die dafür vorgesehene Stellwand streicht. Mit stoischer Ruhe drückt er mit dem Besen eine sich immer wieder lösende Ecke wieder fest. Wie ich da so vergnügt «De Papst pappt Pappplakate a Pappwand und hät wege däm zBsteck schpot bschtellt» vor mich hinmurmle, beginnt hinter mir ein Huppkonzert. Die Ampel zeigt längst Grün.
Voller Stolz den Zungenbrecher doch super gemeistert zu haben, schleicht sich ein Gedanke in meinen Kopf: bin ich die Einzige, die morgens um sechs schon begeistert sprachakrobatische Höchstleistungen vollführt, während andere tiefenentspannt Pappplakate kleben.
Wir ticken halt alle etwas anders, am frühen Morgen sowieso, stelle ich weise und munter Papperlapapp plappernd fest.