Susanne Hörth
Der April macht, was er will. Das weiss man. Eigentlich. Dieses Jahr allerdings schien er vor allem eines zu wollen: Sonne. Viel Sonne. So viel, dass man sich fast fragte, ob er sich vielleicht im Kalender vergriffen hat. Während die einen schon zuhauf auf den ...
Susanne Hörth
Der April macht, was er will. Das weiss man. Eigentlich. Dieses Jahr allerdings schien er vor allem eines zu wollen: Sonne. Viel Sonne. So viel, dass man sich fast fragte, ob er sich vielleicht im Kalender vergriffen hat. Während die einen schon zuhauf auf den Velos unterwegs waren, folgten die anderen dem Ruf des Gartens. Da wurde gesät, gepflanzt und umgetopft, was das Zeug hält. Und auch die während der Wintermonate sorgsam verhüllten Pflanzen durften schon wieder an die frische Luft. Mützen und dicke Jacken haben wir bereits weit hinten in den Schränken verstaut. Blies uns trotzdem mal eine heftige Bise um die Ohren, trotzten wir ihr – nur mit T-Shirts und kurzen Hosen bekleidet – mit zusammengebissenen, klappernden Zähnen.
Wir, auf Frühsommermodus umgestellt, ohne nur einen Gedanken an Pankratius, Servatius, Bonifatius und ihre frostige Kollegin Sophie zu verschwenden. Die Eisheiligen, jene wetterlaunigen Schutzpatrone der Bauernregeln, stehen doch erst vom 11. bis 15. Mai im Kalender. Traditionell wartet man brav ab, bevor man zarte Pflänzchen dem Freiland überlässt. Doch dieses Jahr? Ach was. Wenn die Sonne ruft, hört(h) man eben schlecht.
Wie wohl die Eisheiligen darauf reagieren? Vielleicht lassen sie sich beleidigt blicken, vielleicht bleiben sie aus Trotz fern. Wir auf jeden Fall geniessen die frühsommerliche Verwirrung – und hoffen, dass die Heiligen heuer einen ganzjährigen Winterschlaf einlegen oder bereits in den Sommerferien sind.