mitgehört(h): Mitgefeiert und mitgemacht
08.09.2026 KolumneSusanne Hörth
Das Ei fällt. Nicht als Metapher, auch nicht sportlich zielsicher, sondern ganz einfach handfest: Es schlägt mit einem dumpfen Geräusch auf dem Plattenboden auf und zerbricht. Der Sonntagmorgen steht ganz kurz still. Ich auch. Natürlich ist das kein ...
Susanne Hörth
Das Ei fällt. Nicht als Metapher, auch nicht sportlich zielsicher, sondern ganz einfach handfest: Es schlägt mit einem dumpfen Geräusch auf dem Plattenboden auf und zerbricht. Der Sonntagmorgen steht ganz kurz still. Ich auch. Natürlich ist das kein weltbewegendes Ereignis. Andererseits: Wer entscheidet eigentlich, was weltbewegend ist? In meiner Küche bewegt sich immerhin gerade einiges – vor allem ich mit Putzlumpen voll klebrigem Eiweiss und Eigelb.
Später am Tag erfahre ich vom Computer, dass in den USA ausgerechnet heute der Tag des Eierwerfens begangen wird. Ich bezeichne somit mein frühmorgendliches Missgeschick als internationale Teilnahme. Zugegeben, technisch gesehen habe ich das Ei nicht geworfen, sondern fallen lassen. Aber bei solchen «Feiertagen» sollte man nicht kleinlich sein.
Ebenfalls am 6. September wird in den USA der Lies-ein-Buch-Tag gefeiert. Nachdem ich mich bereits sportlich betätigt habe, mache ich auch da gerne mit. Ein Buch hat gegenüber einem Ei schliesslich den Vorteil, dass es beim Fallenlassen meistens ganz bleibt.
Nun interessiert mich natürlich, welcher «Feiertag» als Nächstes auf dem Plan stehen. Der Montag verheisst als «Weder-Regen-noch-Schnee-Tag» gutes Wetter. Ob sich Petrus damit Vorschriften machen lässt? Es ist zu hoffen, denn Liebhaber des Bieres dürfen den 7. September ebenfalls feiern und würden es sicherlich gerne draussen bei warmer und trockener Witterung tun.
Am Dienstag rückt dann ein unscheinbares, aber unentbehrliches Zeichen ins Rampenlicht: das @, je nach Laune ausgesprochen als at, ät, et oder liebevoll Affenschwanz. Ohne dieses kleine Kringelding kämen E-Mails kaum vom Fleck. Noch bedeutender ist allerdings der Weltalphabetisierungstag – eine Erinnerung daran, dass Lesen und Schreiben nicht einfach Kulturtechniken sind, sondern Schlüssel zu Wissen, Teilhabe und manchmal auch zu einem guten Rezept für Omelette. Damit wäre der Bogen zum eigentlichen Grund für die Entnahme des Eies aus dem Kühlschrank und gleichzeitig auch der Beginn für eine kleine Reise durch die Welt der kuriosen Tage gemacht. Vom Eigelb auf dem Boden, bin ich bei Büchern, Bier, Wetter, Affenschwanz und Alphabetisierung gelandet.
