Susanne Hörth
Während wir am Wochenende mit der Uhrumstellung eine Stunde Zeit gewonnen haben, verliert draussen die Natur nach und nach ihr buntes Blätterkleid. Ich versuche im Wettstreit mit dem Wind, das herumwirbelnde Laub zusammenzurechen. Kaum liegt das Laub auf einem ...
Susanne Hörth
Während wir am Wochenende mit der Uhrumstellung eine Stunde Zeit gewonnen haben, verliert draussen die Natur nach und nach ihr buntes Blätterkleid. Ich versuche im Wettstreit mit dem Wind, das herumwirbelnde Laub zusammenzurechen. Kaum liegt das Laub auf einem Haufen, verteilt der Wind es wieder im Garten. Vermutlich findet er flächendeckende Dekoration schöner. Zum Glück gibt es die Nachbarn. Das Plaudern über den Gartenzaun ist die doch die schönste Art, eine aussichtslose Arbeit zu unterbrechen. Statt Rasen pflegen wir die Nachbarschaft.
Doch bevor ich hier zum eigentlichen Inhalt meiner Kolumne komme, beziehungsweise sie schreiben kann, mischt sich das Rechtschreibprogramm ein. «Zusammenzurechen» ist dick rot unterstrichen. Es schlägt «zusammenzubrechen» vor. Oder «zusammenzurechnen». Das sind bemerkenswerte Alternativen für jemanden, der bloss ein paar Blätter auf einen Haufen bringen möchte. Zusammenbrechen? So anstrengend ist die Sache nun auch wieder nicht. Zumal ich regelmässig Gesprächspausen einlege.
Zusammenrechnen? Allenfalls die Zeit, die ich draussen mit Laub und Leuten verbringe. Wobei die Buchhaltung schwierig würde: Zählt ein Gespräch, bei dem ich mich auf den Rechen stütze, noch als Gartenarbeit oder schon als gesellschaftliches Engagement?
Nun könnte ich das beanstandete Wort umgehen und einen Laubbläser anschaffen. Aber nur, damit mein Computer Ruhe gibt, mache ich doch nicht draussen Lärm. Das mag weder die Natur noch ich. Und für das Plaudern am Gartenzaun wäre damit auch nichts gewonnen: Man müsste sich anschreien, was selbst bei bestem nachbarschaftlichem Verhältnis einen falschen Eindruck hinterlassen könnte. Also bleibt das Zusammenrechen. Der Rechen sammelt Blätter, stützt mich beim Plaudern und kommt ohne Motor aus. Ein wahrhaft multifunktionales Gerät. Was spielt da noch eine Rolle, dass er vom Rechtschreibeprogramm nicht anerkannt wird?