Susanne Hörth
Heute, am 6. Januar, dürfen wir uns nach den essreichen Festtagen gleich nochmals auf das gemeinsame Geniessen einer kulinarischen Spezialität freuen: den Dreikönigskuchen. Bevor aber das mehrteilige Hefegebäck verzehrt wird, findet in der Regel ...
Susanne Hörth
Heute, am 6. Januar, dürfen wir uns nach den essreichen Festtagen gleich nochmals auf das gemeinsame Geniessen einer kulinarischen Spezialität freuen: den Dreikönigskuchen. Bevor aber das mehrteilige Hefegebäck verzehrt wird, findet in der Regel – gleich ob in den Familien oder in der Bürogemeinschaft – eine Art soziologisches Unterfangen statt. Mit höchster Konzentration tasten wir mit unseren Augen – die einen oder anderen tun es auch mit den Händen – den Kuchen ab. In welcher der Kugeln steckt wohl die kleine Plastikfigur, die uns für einen Tag zu Königinnen oder Königen werden lässt?
Als Eltern möchte man gerne, dass die Kinder das Teilchen entdecken. Wobei: Jedes Kind ist doch eine Königin oder ein König. Also heimlich in jeder Kugel einen weiteren König verstecken? Wo bliebe da aber die für die Entwicklung des Kindes so wichtige Erfahrung des Verlierenkönnens?
Sind wir unter uns Erwachsenen, hoffen wir natürlich grossherzig, dass jemand anderes die Königin oder den König im Kuchen erwischt und sich damit die goldene Kartonkrone aufsetzen darf. Ist ja auch ein bisschen peinlich, finden wir. Insgeheim hätten wir aber schon auch gern Glück gehabt und beim Auseinanderzupfen des Kuchenteils das Plastikding herausgezogen.
Ja, und dann gibt es jene Dreikönigskuchenesserinnen und -esser, die ihre Kugel aus einem ganz anderen Grund mit fast archäologischer Präzision und so überhaupt nicht majestätisch auseinandernehmen: Sie ziehen die unerwünschten Rosinen heraus.