Susanne Hörth
«Kennst du Gummitwist?» Die Siebenjährige schwenkte ein etwas ausgeleiertes Gummiband vor meinem Gesicht. Was für eine Frage! Natürlich kenne ich Gummitwist. Ich habe dieses Spiel nicht nur gekannt – ich habe es gelebt. Wir sprangen in den ...
Susanne Hörth
«Kennst du Gummitwist?» Die Siebenjährige schwenkte ein etwas ausgeleiertes Gummiband vor meinem Gesicht. Was für eine Frage! Natürlich kenne ich Gummitwist. Ich habe dieses Spiel nicht nur gekannt – ich habe es gelebt. Wir sprangen in den Pausen, in der Freizeit, und wenn keine Kinder da waren, mussten zwei Stühle als geduldige Gummitwist-Assistenten herhalten.
Wir erfanden Schrittabfolgen, die heute vermutlich als koordinative Höchstleistung durchgehen würden. Das Gummiband wanderte vom Fussgelenk zu den Knien, zur Taille und – weil wir jung und unverwüstlich waren – irgendwann bis unter die Achseln. Wir hüpften synchron, drehten uns zu zweit, zu dritt, und produzierten Choreografien, die man heute wohl als frühe Form des Flashmobs bezeichnen würde. Und Spass hatten wir sowieso immer.
«Ja, was ist jetzt? Weisst du gar nicht, was Gummitwist ist», riss mich die leicht genervte Stimme des Mädchens aus meiner nostalgischen Zeitreise.
Doch bevor ich meine Heldentaten im Synchronspringen schildern konnte, erklärte mir die Siebenjährige geduldig, dass Erwachsene das vermutlich sowieso nicht mehr könnten. Zum Trost bot sie mir «Gummitwist mit den Händen» an. Mit Wolle.
Ich nahm an. Man muss schliesslich mit der Zeit gehen.