Susanne Hörth
«Wenn ich gross bin, werde ich Gedankenkonstruktör.» Der schon fast Fünfjährige sagt es trotzig. Ich staune über die Wortwahl. Der so frühe Berufswunsch mit fachspezifischer Hirnforschungsausrichtung finde ich sehr interessant. Was ...
Susanne Hörth
«Wenn ich gross bin, werde ich Gedankenkonstruktör.» Der schon fast Fünfjährige sagt es trotzig. Ich staune über die Wortwahl. Der so frühe Berufswunsch mit fachspezifischer Hirnforschungsausrichtung finde ich sehr interessant. Was denn ein solcher Konstrukteur mache, möchte ich mehr erfahren. «Heute Morgen hat Mami gesagt, sie denke, es sei besser, wenn ich künftig weniger Süsses esse. Paps hat dann gemeint, er teile diese Gedanken. Und auch, dass er überlege, wie wir künftig weniger Zucker im Essen zu uns nehmen.» Bevor ich etwas einwerfen kann, spricht der Bub weiter. «In der Waldspielgruppe hat unsere Lehrerin gesagt, dass die Leute, denen der Wald gehört, darüber nachdenken, ein paar der Bäume umzuhauen. Wo sollen wir dann spielen?», schiebt der Bub fast verzweifelt eine Frage nach.
Langsam verstehe ich die Idee mit dem Gedankenkonstrukteur. Wenn ich persönlich zwar nicht möchte, dass meine Gedanken fremd konstruiert werden, so kann ich es aus Sicht des Kindes nachvollziehen.
Dann grinst der Junge plötzlich. «Nein, ich werde nicht Gedankenkonstruktör. Ich werde einfach Papi. Ich werde dann nicht so viel nachdenken und meinen Kindern erlauben, Süsses zu essen, viel Fernseh zu schauen und ich kaufe den Wald. Wehe, wenn dann einer die Bäume umhauen will. Dann bekommt er es mit mir als Papi zu tun.»