Mit Herz und Drohne
13.06.2026 FokusEin bisher intensives Jahr liegt hinter der Rehkitzrettung Sonnenberg
Drohnenpiloten der Rehkitzrettung Sonnenberg, Jäger und Landwirte stehen im Morgengrauen auf den Feldern, um Rehkitze vor der Mähmaschine zu retten. Was sie finden, sind nicht nur Tiere im hohen Gras – sondern auch verbindende Momente für eine wichtige Aufgabe.
Susanne Hörth
«Der Anblick eines durch die Mähmaschine schwerverletzten Tieres berührt mich wesentlich mehr als der eines unbestritten herzigen Rehkitzes», sagt Martin Schaub vom Dellhof in Magden. Seit vergangenem Jahr ist der Landwirt Teil der Rehkitzrettung Sonnenberg – und lässt inzwischen alle seine Felder vor dem Mähen mit der Drohne absuchen.
Er habe schon immer etwas getan, um Rehkitze zu schützen, erzählt Schaub. Das Verblenden mit f latternden Tüchern oder Plastiksäcken gehörte für ihn lange zum Standard. Die Sorge um noch mehr Aufwand in der ohnehin schon sehr intensiven Mähzeit hielt ihn anfänglich von einem Mitmachen bei der Rehkitzrettung Sonnenberg ab. Ein Gespräch mit einem Berufskollegen nahm ihm diese Bedenken. Bereits im ersten Jahr überzeugten ihn die Professionalität, Verlässlichkeit und vor allem die Flexibilität des Drohnenteams. Bei jedem Einsatz sind neben den Piloten auch Vertreter der zuständigen Jagdgesellschaft sowie der verantwortliche Landwirt vor Ort. Für Schaub, der einen Milchviehbetrieb führt, war besonders wichtig, spätestens um sechs Uhr im Stall sein zu können – ein Wunsch, dem das Team bereitwillig entgegenkam, auch wenn dies für die freiwilligen Piloten noch früheres Aufstehen bedeutet.
Ein Rekordjahr für die Rehkitzrettung
Früh aufgestanden sind die Drohnenteams der Rehkitzrettung Sonnenberg in diesem Jahr bereits viele Male. Die Zwischenbilanz – die Einsätze laufen schätzungsweise noch bis Ende Juni – zeigt eindrücklich, wie wichtig ihre Arbeit ist: An bisher 18 Tagen wurden 225 Felder mit einer Gesamtfläche von 328,91 Hektaren abgeflogen. Dabei konnten 46 Rehkitze gesichert werden. Besonders herausragend war der 21. Mai, an dem allein acht Kitze gerettet wurden. «Ein Rekord-Tag», so Roland Stäuble, Präsident der Rehkitzrettung Sonnenberg und selbst als Drohnen-Pilot im Einsatz. 41 Felder wurden an diesem Tag in Magden, Möhlin, Zeiningen, Zuzgen und Buus abgeflogen.
Auch Martin Schaub war an diesem Tag im Gebiet Stockacker unterhalb des Oensbergs in Magden dabei, gemeinsam mit Jäger Ruedi Schenker, Helfer Dario Treier und Pilot Roland Stäuble. «Wir orteten eine Rehgeiss und zwei verdächtige Punkte», erzählt Stäuble. «Schliesslich fanden wir ein rund drei Tage altes Kitz zwischen zwei Kirschbäumen, eingebettet im hohen Gras mit blühendem Klee.» Die aufgehende Sonne, die Uhr zeigte gerade einmal 5.30 Uhr, tauchte die Szene in ein rosa Licht. Nicht nur ein berührender Augenblick, sondern auch ein Moment, der zeigt, wie wertvoll die Zusammenarbeit zwischen der Landwirtschaft, Mitgliedern der Jagdgesellschaften und dem Drohnen-Team ist.
Die Organisation hinter der Rehkitzrettung Sonnenberg
Die Rehkitzrettung Sonnenberg ist in den Gemeinden Magden, Möhlin, Zeiningen, dem westlichen Teil von Zuzgen sowie Buus aktiv. Zeiningen und der westliche Teil von Zuzgen werden ab diesem Jahr vollständig aufgenommen. «Wegenstetten hat sich Anfang Jahr verselbstständigt, wodurch die Möglichkeit entstand, Buus kurzfristig zu integrieren», erklärt Roland Stäuble.
Im Einsatz stehen vier Drohnenpiloten: Bruno Schleiss aus Magden, Jean-Claude Heutschi aus Wallbach, Felix Zimmermann aus Buus und Roland Stäuble aus Magden. Ihre Arbeit basiert auf einer engen Zusammenarbeit mit den Landwirten und Jägern der jeweiligen Gebiete. Pro Jagdrevier wirkt ein Jäger als Delegierter, pro Gemeinde ein verantwortlicher Landwirt. Einmal jährlich tauscht sich dieses Dreierteam – Landwirt, Jäger und Pilot – über Erfahrungen und Verbesserungsmöglichkeiten aus. Diese Struktur sorgt für kurze Wege, schnelle Entscheidungen und eine hohe Einsatzbereitschaft in den wenigen Wochen, in denen die Rehkitze reglos im hohen Gras liegen und besonders gefährdet sind.
Dass alle Piloten der Rehkitzrettung Sonnenberg zugleich Aktivmitglieder der Rehkitzrettung Schweiz (RKRS) sind, erweist sich laut Roland Stäuble als grosser Vorteil. «Wir profitieren von regelmässigen Aus- und Weiterbildungen sowie von der gemeinsamen Software für die Felderfassung und -planung.» Zudem werde derzeit ein KI-Tool entwickelt – mit Unterstützung sämtlicher RKRS-Piloten –, das künftig eine noch schnellere und zuverlässigere Lokalisierung von Rehkitzen ermöglichen soll.
In naher Zukunft plant die Rehkitzrettung Sonnenberg eine Erweiterung ihres Einsatzgebiets. «Wir stehen aktuell in Kontakt mit der Jägerschaft in Wallbach sowie Zuzgen Ost», erklärt Stäuble. Auch das Drohnen-Team soll ab dem kommenden Jahr um eine weitere Person wachsen. Besonders erfreulich sei, dass sich bereits eine Interessentin gemeldet habe und das Team schon zweimal bei Einsätzen begleitete. Für Stäuble ist dies ein weiterer schöner Beleg dafür, wie viele Menschen sich mit Herzblut für den Schutz junger Rehkitze engagieren – und wie lebendig diese wichtige Arbeit weiterwächst.





