Krise am Rheinbogen: Wenn selbst die klimatolerante Eiche leidet
Entlang des Rheins sterben Baumbestände ab, wie sonst nirgends im Aargau. Mittlerweile trifft es sogar die klimatolerante Eiche. Weshalb, erklärt Revierförster Urs Steck.
Ronny Wittenwiler
Dass der ...
Krise am Rheinbogen: Wenn selbst die klimatolerante Eiche leidet
Entlang des Rheins sterben Baumbestände ab, wie sonst nirgends im Aargau. Mittlerweile trifft es sogar die klimatolerante Eiche. Weshalb, erklärt Revierförster Urs Steck.
Ronny Wittenwiler
Dass der Hitzesommer dem Wald massiv zugesetzt hat, ist nicht neu. Bäume haben ihre Blätter verloren zu einer Zeit, in der sie unter normalen Gegebenheiten voll im Saft stehen sollten. «Aber hier zwischen Rheinfelden und Möhlin ist das mit Abstand am stärksten betroffene Gebiet im gesamten Kanton», sagt Revierförster Urs Steck und zeigt eine Karte. Wie einzelne Nester sind darauf grosse Flächen entlang des Rheins eingefärbt, von orange bis dunkelrot. Dort hat der Wald am meisten gelitten – im Heimenholz, in der Rüchi, jeweils Rheinfelder Boden; im Riburger Hölzli, Chräbis, Möhliner Boden.
«Das beschäftigt uns sehr»
Die Karte, die Steck zeigt, hat der Kanton erstellt, sie dokumentiert die Veränderung des Waldes innerhalb eines Jahres. Warum ausgerechnet das Fricktal entlang des Rheins massive Schadf lächen im Baumbestand aufweist, erklärt Steck so: «Die Bäume stehen durchgehend auf Kiesböden. Durch den Schotter können sie kaum Wasser speichern.» Tatsächlich zeigt sich etwa im Oberforst ein komplett anderes Bild: «Dort haben wir Lössboden, die Bäume sind absolut gesund.»
Wie sehr sich die Lage hingegen entlang des Rheins zugespitzt hat, zeigt sich anhand von vermeintlich robusten Beständen. «Mittlerweile sterben auf diesen Flächen entlang des Rheins selbst Eichen ab, die als klimatolerant gelten. Zu sehen, wie auf aufgeforsteten Lothar-Flächen sogar junge Bestände braun werden, beschäftigt uns sehr.» Noch schlimmer steht es um die Buchen. Der Forstbetrieb Region Möhlin sieht sich gezwungen, zu reagieren. Man passe das Holzschlagprogramm an, sagt Betriebsleiter Steck.
«Totes Holz ist totes Holz»
In diesem Winter, womöglich noch bis Weihnachten, sollen im Riburger Hölzli abgestorbene Bäume entnommen werden. Das bedeute keinen Kahlschlag, sagt Steck. «Bei manchen Bäumen sehen wir erst in einem bis zwei Jahren, ob sie nochmals austreiben.» Doch sei bei wiederum anderen Beständen klar, dass der Schaden zu weit fortgeschritten ist. «Totes Holz ist totes Holz», sagt Steck und spricht ausserdem von einem Risiko bei Bäumen mit abgestorbenen Kronen. Gerade im betroffenen Riburger Hölzli mit seinen vielen Querwegen sei das besonders heikel. «Der Wald ist hier sehr stark frequentiert, von Spaziergängern, Radfahrern. Es geht auch um die Sicherheit.»
Darüber hinaus, sagt Steck, seien mittlerweile bis zwei Drittel aller gefällten Bäume angeschlagen: Pilzbefall, Borkenkäfer, Hitzeperioden – «es ist bald nur noch Zwangsnutzung, der klassische Waldbau leidet massiv». Gerade für den nun stark betroffenen Abschnitt entlang des Rheins scheint das im Zuge des sich wandelnden Klimas besonders einschneidend. Steck sagt: «Auf solchen extremen Flächen mit Kiesboden wird es künftig nicht mehr derselbe Wald sein, wie wir ihn mit den grossen Bäumen kannten.»