«Mit der Tschättermusik fing alles an»
08.02.2026 PersönlichMusik und Fasnacht sind Martin Schmid wichtig. Mit dem Waschbrett hat er als Kind begonnen, bevor er auf die Trompete umgestiegen ist. Bei der Laufenburger Guggenmusik «Barocker» spielt er mit eigenem Notensystem und als OK-Präsident koordiniert er die Laufenburger ...
Musik und Fasnacht sind Martin Schmid wichtig. Mit dem Waschbrett hat er als Kind begonnen, bevor er auf die Trompete umgestiegen ist. Bei der Laufenburger Guggenmusik «Barocker» spielt er mit eigenem Notensystem und als OK-Präsident koordiniert er die Laufenburger Städtlefasnacht. Und er hat einen speziellen Wunsch.
Petra Schumacher
Martin Schmid, Jahrgang 1965, ist in Laufenburg direkt neben dem Wasenturm aufgewachsen. Die Eltern, begeisterte Fasnächtler, liessen ihre beiden Buben schon früh allein zur Tschättermusik losziehen. «Im Städtle gab es viel mehr Geschäfte als heute, wo es meistens etwas für uns Kinder gab und dazu die spezielle Stimmung in den Gassen. Das hat uns gut gefallen», erzählt der Laufenburger. Ende der Primarschulzeit machte er dann mit vier Kollegen «Pfuri – Gorps und Kniri» Musik und spielte dabei das Waschbrett. Zwei Lieder konnten sie spielen. An allen drei Faissen trat das Grüppli überall im Städtle mit dem Programm auf. Diese Auftritte müssen legendär gewesen sein. Martin Schmid erzählt, dass von Geschätsleuten sogar Aufnahmen mit dem Kassettenrecorder gemacht wurden und bedauert, dass er keine dieser Aufnahmen besitzt.
Das Herz schlägt für die Guggenmusik
«Ich bin auch heute noch direkt um 05.00 Uhr auf den Beinen, wenn die Tschättermusik läuft», erzählt Martin Schmid. «Das hat mich nicht losgelassen.» Auch bei der Musik ist er geblieben. Seit 1989 spielt er bei den Laufenburger «Barocker» Trompete. «Wenn ich gewusst hätte, dass ich mal so lange bei der Guggenmusik bleibe, hätte ich im Musikunterricht besser aufgepasst und das Notenlesen gelernt», meint er schmunzelnd. Inzwischen hat er seine eigene Notensprache entwickelt und verrät, dass er im Verein damit nicht allein ist. 35 Aktive zählen die Laufenburger «Barocker». Martin Schmid ist mit seinem Sohn dabei.
Guggenmusik braucht Kostüme und geschminkte Gesichter
«Alle zwei Jahre wechseln wir «Barocker» das Motto. Aktuell heisst es ‹Spielfreudig›. Die Kostüme sind voller Jass- oder Unokarten, Schachfiguren, Würfel aber auch mit Noten drauf. Jeder ist bei uns für sein Kostüm selbst verantwortlich», so der Guggenmusiker. Sein Kostüm stellt er auch wirklich selbst her, verrät er. Er mag aber nicht darüber nachdenken, wie lange er dafür braucht. «Beim Schminken gibt es zwei Gruppen. Die einen arbeiten mit Airbrush, die anderen mit Pinsel. Ich nehm den Pinsel», erklärt Martin Schmid. «Kostüme und die geschminkten Gesichter gehören zur Guggenmusik einfach dazu. Ohne könnten wir natürlich auch spielen, aber es wäre nicht das gleiche». Seit dem 10. Januar spielen die «Barocker» jeden Samstag kreuz und quer in der halben Deutschschweiz und an der Städtlefasnacht natürlich in Laufenburg. «Bis Ende der Fasnacht kommen wir da auf etliche Konzerte».
Ein ganz besonderer Tag ist für Martin Schmid der Fasnacht-Dienstag. Da geht es seit ein paar Jahren mit einer kleinen Gruppe nach Luzern. Der Sohn plant die Marschroute durch die Luzerner Innenstadt anhand der Auftritte der dortigen Guggenmusiken. «In Luzern hat es immer eine speziell gute Atmosphäre an diesem Dienstag. Inzwischen haben wir dort viele gute Kollegen und halfen bei Jubiläumsauftritten auch immer mal wieder mit. Der Tag in Luzern gehört fest in unser Fasnachtsprogramm.»
OK-Präsident
Der Verein Städtlefasnacht wurde 2012 gegründet und löste die Salmfänger als organisatorischen Verein der Laufenburger Fasnacht ab. Martin Schmid, der zehn Jahre Vereinspräsident der «Barocker» und auch bei den Salmfängern am Anfang aktiv war, konnte überzeugt werden, 2018 OK-Präsident der Städtlefasnacht zu werden. Vom ersten Faisse bis zum Aschermittwoch gilt es zahlreiche Anlässe zu koordinieren. Laufenburg ist bekannt für seine Städtlefasnacht. «Ob Salmanlandung, das Guggen-Open-Air, der Nachtumzug «Häxefüür» oder die Böögg-Verbrennung und natürlich die Tschättermusik – bei mir laufen alle Fäden zusammen», so Marin Schmid. «Ich bin Ansprechperson nach draussen, kümmere mich um alle Bewilligungen und die Infrastruktur, natürlich zusammen mit den Vorstandskollegen. Da unsere Fasnacht zusammen mit Badisch Laufenburg gefeiert wird und viele Anlässe zusammen auf beiden Seiten vom Rhein stattfinden, gibt es da natürlich viel Abstimmungsbedarf. So einen grossen Anlass wie unsere Fasnacht, kann man aber nur im Team stemmen. Ich bin froh, dass wir vom OK-Vorstand her so eine eingespielte und gute Mannschaft sind.»
In besonderer Erinnerung ist Martin Schmid die Städtlefasnacht 2022 geblieben. «2021 musste die Fasnacht wegen Corona abgesagt werden», erzählt der OK-Präsident. «2022 durften wir den Anlass planen. Aber die Auf lagen waren enorm. Maskenpf licht, Impfnachweise, begrenzte Teilnehmerzahl – die Liste war schier endlos. Wir wollten die Städtlefasnacht trotzdem organisieren, einfach in einem andern Rahmen, nämlich als Hallenfasnacht. Kurz vorher wurden dann all die Auf lagen zum Glück gelockert und weil uns in der Zeit bewusst wurde, dass das gemeinsame Feiern keine Selbstverständlichkeit ist, hatten wir eine ganz besonders intensive Fasnacht.»
Für eine sichere Fasnacht
Martin Schmid ist mit seinem Team auch für die Sicherheit zuständig. Schon lange gibt es da erprobte Abläufe. Vor der Fasnacht setzen sich die Verantwortlichen von Polizei, Feuerwehr, Security und dem OK zusammen und besprechen die einzelnen Veranstaltungen. «Klare Vereinbarungen sind notwendig», erklärt Martin Schmid. «Bei uns haben alle Vereine und Beizen einen Notfallzettel, wo Nummern und Ansprechpersonen notiert sind. Nur eine sichere Fasnacht ist eine schöne Fasnacht.» Natürlich wird aktuell beim Brandschutz noch genauer hingeschaut und auch die Auflagen wurden erhöht.
Wenn man so viele Jahre aktiver Fasnächtler und Guggenmusiker ist, sind da noch Wünsche offen? Martin Schmid muss nur kurz überlegen: «Einmal in Luzern am Fasnacht-Dienstag auf der Rathaustreppe mit den «Barocker» spielen, das wäre es.»

