«Mit der Polka habe ich mich versöhnt»
31.01.2026 PersönlichChristian Toschka ist Kapellmeister der «Blaskapelle Rhybuebe Stein»
Mit dem ersten Lied taucht er in die Notenwelt ein, dirigiert mit einer leichten, fast tänzerischen Art, mag inzwischen volkstümliches Liedgut und möchte junge Musiker für die Blasmusik ...
Christian Toschka ist Kapellmeister der «Blaskapelle Rhybuebe Stein»
Mit dem ersten Lied taucht er in die Notenwelt ein, dirigiert mit einer leichten, fast tänzerischen Art, mag inzwischen volkstümliches Liedgut und möchte junge Musiker für die Blasmusik begeistern – Christian Toschkas Leidenschaft gilt der Musik.
Petra Schumacher
Beim letzten Auftritt der «Blaskapelle Rhybuebe Stein» im alten Jahr, dem Adventskonzert in der St. Vinzenz Pfarrkirche in Eiken, ist die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Im vorderen Kirchenschiff nehmen die vierundzwanzig Musiker mit ihren Instrumenten Platz. Es herrscht ein Moment der Stille. Dann erhebt sich Christian Toschka und tritt vor die Musiker. Die Konzentration ist spürbar. Es scheint, als wenn sich die Musiker und ihr Dirigent kurz wortlos verständigen. Dann erhebt Christian Toschka die Arme, taucht in die Musik ein und nimmt die Musiker und das Publikum mit auf die musikalische Reise. Das Dirigieren wirkt federleicht, fast tänzerisch und trotzdem sehr bestimmt.
Aus einem Musiker wird der Dirigent
Christian Toschka, Jahrgang 1966, kommt aus einer musikalischen Familie. Der Vater hat im Badischen bei der Dorfmusik gespielt, wo Christian Toschka als Kind zuschauen durfte. Er selber hat dann Klarinette spielen gelernt und ebenfalls im Dorfverein gespielt. In der Nähe von seinem Heimatort, am Rand vom Südschwarzwald, wurden die «Dinkelberger Musikanten» gegründet und Musiker gesucht. «Mit der volkstümlichen Blasmusik, den Polkas und Märschen tat ich mich anfänglich etwas schwer», so Christian Toschka. «Es war keine Liebe auf den ersten Blick.» Er liess sich trotzdem auf die Musik ein. Nach kurzer Spielzeit fiel der Dirigent aus und Christian Toschka wurde angefragt und sagte zu. «Das war ja komplettes Neuland für mich und hat mich auch Überwindung gekostet. Aber nach kurzer Zeit habe ich Gefallen daran gefunden und gemerkt – ich kann das.»
«Ich verkaufe die Musik»
Christian Toschka besuchte einen Dirigentenkurs. Fürs Dirigieren braucht es Übung, Selbstvertrauen und man muss seinen eigenen Stil finden, ist von ihm zu hören. «Als Dirigent musst du authentisch sein. Nur wenn du bei dir bleibst, kommst du bei den Musikern glaubwürdig rüber und erst dann vertrauen sie dir. Die Verbindung zwischen den Musikern und dem Dirigenten ist der Schlüssel für gute Musik. Jeder Musiker kann ein noch so guter Solist sein, für den Auftritt der Kapelle braucht es das perfekte Zusammenspiel aller Musiker und da ist der Dirigent gefragt.» Christian Toschka sieht sich aber auch als Scharnier zwischen der Blaskapelle und dem Publikum. «Die Musiker spielen und ich verkaufe ihre Musik. Tönt vielleicht merkwürdig, aber so ist es», sagt Christian Toschka und erklärt: «Wenn es in einem Stück zum Beispiel ein Solo gibt, zeige ich mit beiden Händen ganz deutlich auf diesen Musiker. Es wirkt dann, als wenn das Scheinwerferlicht auf ihn zielt und vom Publikum gibt es volle Aufmerksamkeit. Die Zuhörer werden so von mir mit einbezogen und können dadurch die Musik intensiver erleben.»
Die Geschichte der Blaskapelle
Vor sechs Jahren wurde Christian Toschka von den «Rhybuebe» als Dirigent angefragt. Die Geschichte der Blaskapelle geht auf das Jahr 1974 zurück. In Stein fand erstmals ein Brückenfest statt, bei dem die Musikgesellschaft Stein ein Fest-Beizli betreiben durfte. Ein Vereinsmitglied stellte zu diesem Anlass eine kleine Musik-Formation zusammen, die zur Unterhaltung aufspielte. Die Formation wurde zur bleibenden Blaskapelle, die zuerst «Frohes Wiedersehen» hiess und an Auftritten bei verschiedenen Bauernkapellentreffen prämiert wurde. Im Jahre 1979 fand dann die offizielle Gründung des Vereins mit dem Namen «Blaskapelle Rhybuebe Stein» statt. Unter der Leitung verschiedener Dirigenten nahmen die «Rhybuebe» im Laufe der Jahre an verschiedenen, auch internationalen, Wettbewerben sowie Radio und CD-Aufnahmen teil. Die Blaskapelle fand ab 2001 zunehmend zum «Böhmisch-Mährischen» Musikstil, für den sie inzwischen bekannt sind.
«Rhybuebe und Rhymeitli»
Eigentlich bräuchte die Blaskapelle eine Namensänderung. Denn aus den «Rhybuebe» sind längst die «Rhybuebe und Rhymeitli» geworden. «Früher haben nur Männer in den Musikgesellschaften gespielt», weiss Christian Toschka zu berichten. «Das hat sich längst geändert und das ist auch gut so». Von April bis November hat die Blaskapelle jährlich um die zehn Auftritte. Zwanzig Lieder werden dann jeweils gespielt, überwiegend volkstümliche Blasmusik. «Mit der Polka habe ich mich versöhnt», sagt Christian Toschka schmunzelnd. «Ich habe Gefallen daran gefunden, bekannte Lieder neu zu interpretieren. Die Zuhörer kennen diese Lieder, die teils 50 oder 60 Jahre alt sind, und werden dann von unserer Darbietung überrascht. Uns macht das Spielen Freude und am Applaus merken wir, dass es auch den Zuhörern gefällt.»
Gesteckte Ziele
Eins von Christian Toschkas Zielen ist es, mit den «Rhybuebe» weiterhin qualitativ gute Blasmusik zu spielen und abwechslungsreiche Unterhaltung zu bieten. «Für jede Veranstaltung stelle ich ein neues Programm zusammen», erklärt der Dirigent. «Wir proben regelmässig. Aber ich erwarte, dass jeder zu Hause mit seinem Instrument übt, denn an den Proben geht es ja um das Zusammenspiel.» Als grösste Herausforderung sieht der Dirigent die Gewinnung von neuen Musikern: «Wie andere Vereine auch, müssen wir schauen, dass wir den Generationenwechsel schaffen. Junge Musiker für die Blasmusik zu begeistern, sehe ich als mein ganz grosses und sehr wichtiges Ziel.»

