«Mir gehen die Ideen nicht aus»
28.06.2026 PersönlichMit der Weihnachtsdekoration fing es an. Aktuell werden Stühle zum «Useschtuelet» für das Sommerprojekt «Stühle verrückt» gestaltet. Mit ihrer Arbeit möchte Jutta Leuenberger die Laufenburger Altstadt beidseits des Rheins beleben und dabei Frauen vernetzen.
Petra Schumacher
...Mit der Weihnachtsdekoration fing es an. Aktuell werden Stühle zum «Useschtuelet» für das Sommerprojekt «Stühle verrückt» gestaltet. Mit ihrer Arbeit möchte Jutta Leuenberger die Laufenburger Altstadt beidseits des Rheins beleben und dabei Frauen vernetzen.
Petra Schumacher
Jutta Leuenberger, Jahrgang 1964, ist auf der deutschen Seite von Laufenburg aufgewachsen. 1998 wechselte sie auf die Schweizer Seite. «In meiner Kindheit blieben die Badisch-Laufenburger auf ihrer Seite vom Rhein. Man hatte Berührungsängste und wusste nur wenig voneinander. Als ich durch die Heirat dann auf die andere Rheinseite wechselte, habe ich das hier genauso wahrgenommen. Das hat mich zunehmend gestört. Für mich ist Laufenburg eine Stadt, die halt in zwei Ländern liegt, was ja etwas Besonderes ist.»
Weihnachtsstimmung im Blick
Manche Menschen sind bis zur Haarspitze angefüllt mit guten Ideen. Jutta Leuenberger gehört zu ihnen. Sie hat aber nicht nur Ideen, sie setzt sie auch um und mit ihrer aufgestellten Art gelingt es ihr gut, auch andere Menschen für ihre Projekte zu gewinnen. Bei der ausgebildeten Floristin gehören Dekoration und ein geschultes Auge zum Handwerkszeug. «In der Vorweihnachtszeit bin ich immer wieder über die fehlende Dekoration in der Altstadt «gestolpert». Hier und da eine vereinzelte, unglücklich gehängte Lichterkette oder etwas Tannengrün. Auf der deutschen Seite war etwas mehr dekoriert, doch das hörte in der Mitte von der Rheinbrücke dann plötzlich auf. Ich habe bei der Stadt nachgefragt und die Erlaubnis erhalten, mich um die Weihnachtsdekoration zu kümmern.»
Das Deko-Team
Das war allein aber nicht zu schaffen. Jutta Leuenberger schrieb die Laufenburger «Zunftwiibli» an, sprach mit Frauen, die sie kannte und erhielt Unterstützung. «Einerseits habe ich gemerkt, wie wenig die Frauen hier in der Stadt, im Gegensatz zu den Männern, vernetzt sind. Anderseits wurde sichtbar, dass es so viele Frauen gibt, die wunderbar kreativ sind.» Durch die Arbeit für den Weihnachtsmarkt entstand das Deko-Team. Waren es anfänglich nur eine Handvoll Frauen, zählt der Zusammenschluss inzwischen um die 40 Kreative. Eigentlich bestimmt sie nicht gern, meint Jutta Leuenberger. «Aber viele der Frauen, die bei den Aktionen mitmachen, wünschen sich eine Anleitung und die Projektorganisation. Das hängt dann halt doch bei mir.» Tatkräftig unterstützt wird sie von der Familie. Schwägerin Cindy Leuenberger ist zur «Ideen-Komplizin» geworden.
Engagiert für die Altstadt
Das Engagement für die Altstadt hat sich mit der Zeit weiterentwickelt, erklärt Jutta Leuenberger. «Im «Städtli» hatte man 36 Holzkisten zur Bepf lanzung aufgestellt. Das Konzept war gut, bei der Umsetzung brauchte es Unterstützung. Da durfte das Deko-Team aktiv werden.» Als Privatperson unterstützte die Floristin das Osterbrunnen-Projekt und übernahm 2022 die Patenschaft für einen der Brunnen. Mit ihrem geschulten Blick sah Jutta Leuenberger die Brunnen auf der anderen Seite vom Rhein und organisierte, für ein einheitliches Laufenburger Stadtbild, Patenschaften für vier Osterbrunnen auf der deutschen Seite.
Sommerprojekte
Als 2022 die Wohnung der Mutter renoviert wurde, kam recht viel Wolle zum Vorschein. «Ich hatte schon länger im Kopf, dass auch im Sommer in der Altstadt optisch etwas passieren müsste, um das Städtli zu beleben. Mit der Wolle kam mir die Idee für ‹Laufenburg umgarnt›, wofür dann unzählige Objekte farbig umstrickt wurden. Viele Frauen fühlten sich von der Idee angesprochen, auch die Kulturwerkstatt Sulz, die über Strickmaschinen verfügt, beteiligte sich», so Jutta Leuen berger, die lachend ergänzt: «Wir waren alle im Strickfieber.» Anderthalb Jahre Vorbereitungszeit brauchte das erste Projekt, das im Sommer 2024 an den Kulturtagen eröffnet wurde. Im Folgejahr standen Velos im Mittelpunkt der Strickaktion, weil doch jeder meist ein altes Velo hat. «Das Bauamt von Badisch-Laufenburg hatte eine Sammlung von Fundvelos, die wir haben konnten.» Und weil auch jeder irgendwo einen Stuhl übrighat, gibt es in diesem Sommer das «Stühle verrückt» Projekt. «Ich weiss von um die 60 Stühlen, die zu sehen sein werden. Und wieder machen ganz viele Frauen mit. In diesem Jahr wird aber eher bemalt, geklebt und gestaltet.»
Die bunt-fröhlichen Aktionen geben zu reden. «Im Sommer sieht man Leute durch die Altstadtgassen laufen, die die farbigen Objekte suchen und darüber diskutieren. Genau das haben wir uns gewünscht», so Jutta Leuenberger.
Das Miteinander geniessen
Inzwischen hat sich das Deko-Team, das nach wie vor ein lockerer Zusammenschluss ist, dem Förderverein Tourismus Laufenburg angeschlossen. «Ich finde es gut, wenn alle kreativen Aktionen und Aktivitäten von Laufenburg an einem Punkt zusammenlaufen», erklärt Jutta Leuenberger. «Der Förderverein unterstützt uns finanziell etwas und übernimmt die Werbung. Das hilft enorm.» Wenn Jutta Leuenberger einen Wunsch frei hätte, würde sie sich eine Altstadt voller kleiner Läden und Cafés wünschen, in der die Gassen recht belebt sind. «Aber das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, das ist mir bewusst. Die kreativen Ideen gehen mir deswegen aber nicht aus.» Für die Eröffnung der Marktgasse im Sommer 2027 hat sie bereits ein Projekt im Kopf. Zunächst freut sie sich aber auf all die Neugierigen, die ab 29. Juni zu «Stühle verrückt» durch Laufenburgs Altstadt, beidseits vom Rhein, schlendern, staunen und das Miteinander geniessen.

