«Meine Zukunft sehe ich hier auf dem Hof»
30.08.2026 PersönlichLauren Vögeli wird den elterlichen Laubberghof weiterführen
Ackerbau, Rindermast, Weinbau und ökologischer Ausgleich – auf dem Laubberghof in Wil läuft viel und genau diese Vielfalt gefällt Lauren Vögeli, die jetzt mit dem Agrarstudium starten wird und ...
Lauren Vögeli wird den elterlichen Laubberghof weiterführen
Ackerbau, Rindermast, Weinbau und ökologischer Ausgleich – auf dem Laubberghof in Wil läuft viel und genau diese Vielfalt gefällt Lauren Vögeli, die jetzt mit dem Agrarstudium starten wird und sich ein Leben und Arbeiten auf dem Hof gut vorstellen kann.
Petra Schumacher
«All meine Kindheitserinnerungen sind mit dem Hof verbunden», berichtet Lauren Vögeli und ergänzt lächelnd. «Mir wurde von den Eltern erzählt, dass sie mich von Anfang an mit in die Weinberge genommen haben und ich im Laufgitter zwischen den Reben wunderbar geschlafen habe.» Von klein auf hilft sie auf dem Hof mit. «Anfänglich waren es die einfachsten Arbeiten, die ich machen durfte, aber so bin ich richtig in die Arbeit hineingewachsen. Die Rinder reagieren inzwischen besser bei mir als beim Vater und mit der Mutter kann ich auf Augenhöhe über den Weinanbau sprechen.»
Die Exotin vom Land
Lauren Vögeli ging im Mettauertal zur Schule, wechselte an die Bezirksschule nach Laufenburg und danach an die «Alte Kanti» nach Aarau. «In Aarau habe ich mich oft wie eine Exotin gefühlt», erzählt Lauren Vögeli. «Ich habe gestaunt, wie wenig viele meiner Mitschüler über das Entstehen von Nahrungsmitteln wussten, und andererseits wunderten sich die anderen über meine vielen praktischen Erfahrungen.» Die Matura hat sie ganz frisch in der Tasche und ab September wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. «Ich werde an der ETH in Zürich Agrarwissenschaften studieren. Momentan kann ich mir vorstellen, dass ich nach dem Bachelorabschluss den Master in Agrarökonomie mache. Denn ich mag auch die Zahlen, aber das ist Zukunftsmusik.»
Richtungsweisender Entscheid
Aktuell, im Hier und Jetzt, gibt es grosse Änderungen auf dem Laubberghof. «Im letzten Jahr haben wir als Familie zusammengesessen und über die Zukunft vom Hof gesprochen. Ich sehe mein Leben und meine Zukunft hier auf unserem Hof und das habe ich den Eltern auch so mitteilen können», so die angehende Agrarstudierende. Diesem Bekenntnis folgte ein grosser Schritt. «Bislang hatten wir unsere Trauben verkauft. Neu produzieren wir unseren eigenen Wein, den Bruno Hartmann für uns keltert. Unsere Reben wachsen in Wil und am Wessenberg. 2025 ist der erste Jahrgang, den wir jetzt im Frühjahr anbieten konnten. Fünf Sorten haben wir derzeit in Flaschen, zwei weitere liegen als Barrique-Weine noch im Fass». Lauren Vögeli stellt die Weinflaschen auf den Tisch und erklärt sichtlich stolz: «Die Etiketten sind auf meinem ‹Mist› gewachsen, die Eltern haben mir da freie Hand gelassen. Zusammen mit einer Grafikerin habe ich lange ‹gepröbelet› und viel diskutiert, bis wir das Gefühl hatten, jetzt passt es. Es freut mich, dass auch alle mit dem Ergebnis zufrieden sind.»
Von der eigenen Handschrift geprägt
Der Wein heisst Laubberghof und die Schrift auf den Etiketten ist die originale Handschrift von Lauren Vögeli. Diesen Schriftzug sieht man überall auf dem Hof, auch auf den T-Shirts, die die Familie trägt, und auf den Flyern. Auch der Hof hat ein eigenes Logo bekommen. «Das Marketing liegt mir, dafür investiere ich gern meine Zeit. Ich habe auch eine neue Webseite erstellt und mit der Social Media-Arbeit begonnen. Die Direktvermarktung von unserem Wein finde ich richtig und wichtig. So sehen wir die Qualität unserer Produkte und kommen mit den Käufern in Kontakt. Ich kann mir vorstellen, später auch das Fleisch über die Direktvermarktung anzubieten. Die Menschen schätzen es immer mehr, zu wissen, woher ihre Nahrung kommt», so die Einschätzung der zukünftigen Agronomin.
Die vier Standbeine
Lauren Vögelis Eltern sind noch aktiv auf dem Hof tätig und werden es auch noch längere Zeit bleiben. «Die Mutter ist bei uns für die Rebberge verantwortlich und der Vater für Ackerbau und Vieh. Beide haben über die Jahre ein enormes Wissen aufgebaut, von dem ich gern weiterhin profitiere. Zwar weiss ich inzwischen, was mit ‹Spitze› und ‹Schulter› bei den Trauben gemeint ist, aber es gibt noch immer recht viel zu lernen.» Grosses Interesse hat Lauren Vögeli am Thema ökologischer Ausgleich. «Oberhalb vom Hof haben die Eltern vor langer Zeit vier verschiedene Arten von Linden gesetzt, die jetzt in den Kronen zusammengewachsen sind und von uns als Baumkapelle bezeichnet werden. Diese vier Bäume symbolisieren auch die vier Bereiche des Hofs: Ackerbau, Viehzucht, Weinanbau und den ökologischen Ausgleich. Schon lange arbeiten wir mit dem Jurapark Aargau zusammen. So haben wir gemeinsam auf einer für den Reb-Anbau unrentablen Fläche ProSpecieRara-Weinbergpf irsiche angepf lanzt. Für neue Projekte der Zusammenarbeit sind wir gerade wieder im Gespräch. Konkret ist die Jurapark-Weinwanderung, die am letzten Augustwochenende auch hier zum Laubberghof führen wird.»
Ideenreich und geerdet
Wenn das Stichwort Projekte fällt, beginnen Lauren Vögelis Augen zu leuchten. Sie hat viele Ideen. So plant sie beispielsweise, gemeinsam mit ihrer Mutter, einmal im Monat eine Besenwirtschaft anzubieten, und möchte die Räumlichkeiten für Degustationen und Anlässe nutzen. Trotz ihrer «Luftschlösser», bleibt sie geerdet. «Jetzt über den Sommer stehe ich jeden Tag im Stall. Die Arbeit mit all unseren Tieren macht mir viel Freude», verrät die Jungbäuerin. Wie sich die Landideen oberhalb vom Mettauertal mit der Stadtluft von Zürich dann vertragen werden, wird man sehen. Derzeit ist sich Lauren Vögeli sicher: «Das Leben auf dem Laubberghof wird mir immer gefallen.»

