Gedanken zum angebrochenen Jahr, verfasst von Marco Veronesi, Präsident Pro Altstadt Rheinfelden.
In den letzten Jahren habe ich immer wieder den Eindruck, dass wir als Gesells chaf t ein Stück unserer gemeinsamen Stärke verlieren. Die individuelle Freiheit, ...
Gedanken zum angebrochenen Jahr, verfasst von Marco Veronesi, Präsident Pro Altstadt Rheinfelden.
In den letzten Jahren habe ich immer wieder den Eindruck, dass wir als Gesells chaf t ein Stück unserer gemeinsamen Stärke verlieren. Die individuelle Freiheit, persönliche Wünsche und Unabhängigkeit stehen stark im Vordergrund – vieles davon ist wichtig und wertvoll, doch manchmal gerät dabei das «Wir» aus dem Blick. Nehmen wir noch genug wahr, was wir miteinander erreichen können, wenn wir uns als Gemeinschaft verstehen?
Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass wir uns wieder vermehrt auf diese gemeinsame Kraft besinnen. Dass wir nicht nur darauf achten, was für uns persönlich stimmt, sondern auch darauf, was uns als Ganzes weiterbringt. Kompromisse werden heute oft als Verlust erlebt, dabei sind sie in Wahrheit die Basis jedes Zusammenlebens. Für mich sind sie Ausdruck von Respekt: der Bereitschaft, die Perspektive der anderen ernst zu nehmen und einen gemeinsamen Weg zu suchen.
Ich wünsche uns auch, dass wir die Freude an unserer Arbeit wieder stärker empfinden. Arbeit nimmt einen grossen Teil unseres Lebens ein – und sie kann weit mehr sein als eine Pflicht oder ein Mittel zum Zweck. Vielmehr gehört sie zu unserem Alltag und bietet die Chance, einen Beitrag zu leisten, im Team zu wirken und Sinn zu erleben. Ich fände es schön, wenn wir wieder häufiger über Arbeit als Teil eines erfüllten Lebens sprechen könnten und weniger als notwendiges Übel. Wenn individuelle Wünsche und berufliche Aufgaben nicht als Gegensätze gesehen werden, sondern als Elemente, die sich ergänzen dürfen.
Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir die Schönheit vor unserer eigenen Türe wieder bewusster sehen. Wir leben in einer Umgebung, die unglaublich viel Schönes zu bieten hat – landschaftlich, kulturell, menschlich. Doch im Alltag gehen diese Qualitäten schnell unter, weil wir mit dem Blick oft schon beim nächsten Termin oder beim nächsten Problem sind. Vielleicht würde uns ein wenig mehr Achtsamkeit guttun: ein bewusster Spaziergang, ein aufmerksames Gespräch, ein Moment, in dem wir feststellen, wie gut wir es in vielem haben.
Für das Jahr 2026 wünsche ich uns allen mehr Zufriedenheit mit dem, was ist – ohne stehenzubleiben, aber auch ohne ständig dem vermeintlich Besseren hinterherzulaufen. Mehr Offenheit füreinander, mehr Bereitschaft zuzuhören, mehr Demut gegenüber dem, was wir erleben dürfen. Wenn es uns gelingt, das Verbindende wieder als Stärke zu sehen, könnten wir als Gesellschaft vielleicht ein Stück näher zusammenrücken. Und genau das würde ich mir für das kommende Jahr wünschen.
MARCO VERONESI, PRÄSIDENT PRO ALTSTADT