Ich wünsche mir, dass ich mich im Jahr 2026 immer wieder von anderen Meinungen und neuen Sichtweisen überraschen und inspirieren lasse. Andere Meinungen können ein Geschenk sein. Dann nämlich, wenn sie Einblick geben in mein Gegenüber. So öffnet sich ein Stück ...
Ich wünsche mir, dass ich mich im Jahr 2026 immer wieder von anderen Meinungen und neuen Sichtweisen überraschen und inspirieren lasse. Andere Meinungen können ein Geschenk sein. Dann nämlich, wenn sie Einblick geben in mein Gegenüber. So öffnet sich ein Stück weit «die Tür» dieses Menschen, und ich darf an seinen Gedanken und an seinem Leben teilhaben.
Wie langweilig wäre es doch, wenn jede und jeder die gleiche Meinung hätte. Diskussionen und unterschiedliche Sichtweisen können zwar (heraus-)fordern, sie können aber auch eine grosse Bereicherung sein. So hoffe ich, dass wir im neuen Jahr dem Hören aufeinander und dem Diskutieren miteinander Raum lassen.
Wenn wir einander zuhören und die unterschiedlichen Meinungen nebeneinander stehen lassen, dann lernen wir voneinander, und das trägt zu einem friedlichen Miteinander bei.
Die Jahreslosung, welche die Reformierte Kirche im Jahr 2026 begleitet, lautet: «Gott spricht: Siehe ich mache alles neu.» Es ist ein hoffnungsvoller Zuspruch, dass nicht alles so bleiben muss, wie es war. Veränderung ist möglich. Das hört sich tröstlich an, vor allem auch, wenn ich den Blick in die Welt richte, in der so manches im Argen liegt. Wie schön, wenn uns gesagt ist, dass Neues entstehen kann. Dass sich auch in unserem Leben immer wieder neue Räume und ein neuer Weg in die Zukunft eröffnen.
Ich denke, das lässt sich gut mit meinem Wunsch verbinden. Meine Mitmenschen lassen mich immer wieder neue Sichtweisen entdecken. Sei das, wenn ich Kinder und junge Menschen unterrichte, sei das bei Gesprächen an Gemeindeanlässen wie dem ökumenischen Mittagstisch und nach dem Gottesdienst, oder wenn ich einen Besuch im Spital mache. Die Jahreslosung «Siehe ich mache alles neu» ermutigt und bestärkt mich darin, dass ich meinen Teil zu einem friedlichen Miteinander beitragen kann, aber nicht alles allein verändern muss. Ich darf zuhören, anderen Menschen Raum geben und mich durch neue Sichtweisen beschenken lassen. Immer wieder – zuhause, in der Gemeinde, in der Welt. Das wünsche ich uns allen.
STEPHANIE KRIEGER, VIKARIN, REFORMIERTE KIRCHE FRICK