Mein Gott, Walti

  12.02.2026 Möhlin

Isabo, vorwärts, Marsch!

Vor sechzig Jahren lief er als Tambour seinen ersten Fasnachtsumzug. Walti Isabo, der Dauerbrenner, kann’s noch immer.

Ronny Wittenwiler

Fasnacht, 1966: 16 Jahr, blondes Haar, so ging er voraus. Heute sitzt Walter Isabo, der Walti, wie ihn alle kennen und nennen, vor einer Cola und lacht. «Häuptling? Ja, ja, vielleicht – Häuptling weisses Haar.» Wie doch die Zeit vergeht. Gewechselt hat die Farbe am Haupt, geblieben ist der Schalk in den Augen, und dazugekommen in sechzig Jahren Möhliner Fasnacht ist so manche Anekdote, sodass seine Kollegen lustigerweise meinten, er wäre reif für diese Geschichte – und seine Frau stattdessen: «Um Himmels Willen, erzähle bloss nicht alles in der Zeitung!» (was ja fast noch lustiger ist).

Duracell im Blut
Die Geschichte, sie beginnt so: Zwei Jahre nach Vereinsgründung stellten die Meler Galgevögel (MGV) 1966 erstmals eigene Tambouren. «Wir waren zu viert, unser Sujet die Beatles, die Queen hatte ihnen einen Orden verliehen», erinnert sich Walti Isabo. Vielleicht ist es Duracell im Blut, auf alle Fälle aber Leidenschaft im Fasnachtsherzen, die Isabo sagenhafte sechzig Jahre die Treue halten liess. In der Branche gefeiert, das muss man so festhalten, werden in aller Regel jene nördlich des Möhliner Bahndamms: Jahrzehnte schon gehören die Tambouren der Fasnachtzunft Ryburg zum Nonplusultra. Doch gab es eben auch Zeiten, da hatten selbst die Meler Galgevögel rund 25 eigene Tambouren. «Das war in den Achtzigerjahren. Seit Beginn 1966 sind insgesamt 65 Tambouren für die Galgevögel gelaufen.» Isabo unterrichtete viele, brachte ihnen das Marschieren bei und manchmal, sagt er jetzt und lacht wieder: «Manchmal haben wir in den Trommelstunden mehr Fussball gespielt als geübt.» Wenn Isabo am Sonntag den Umzug unter die Füsse nimmt, wird er mit seinen fünf Tambouren-Kollegen jene Fahne hochhalten, die einst gar ganz verschwand.

Ende der Neunzigerjahre war Schluss mit den Tambouren bei den Galgevögel, und es sollte unter anderem Isabo sein, der sie 2004 – zum 40-Jahr-Jubiläum des Vereins – reaktivierte. Seither sind sie wieder an jeder Fasnacht dabei. Isabo ist also nicht der letzte Mohikaner. Als Häuptling der feinen Truppe ist er aber der Mann der ersten Stunde. Seine Kollegen hatten Recht. Er wäre reif für diese Geschichte. Und obschon seine Frau noch meinte: «Mein Gott, Walti, erzähle bloss nicht alles in der Zeitung» – so kommt man zum Schluss: Der Tatbestand reicht allerhöchstens für vorsätzliches Verbreiten guter Laune. Da darf man zum Jubiläum schon mal das nächste Fass aufmachen.


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote