Ein «Feuersalamander» auf drei Rädern
Besonderer Seitenwagen aus russischer Produktion
Tobias Kym aus Möhlin ist ein leidenschaftlicher Motorradfahrer. Seit zehn Jahren besitzt er einen russischen Seitenwagen. Die Fahrdynamik ist ganz anders ...
Ein «Feuersalamander» auf drei Rädern
Besonderer Seitenwagen aus russischer Produktion
Tobias Kym aus Möhlin ist ein leidenschaftlicher Motorradfahrer. Seit zehn Jahren besitzt er einen russischen Seitenwagen. Die Fahrdynamik ist ganz anders als bei einer zweiräderigen Maschine.
Valentin Zumsteg
Einen solchen Töff sieht man nicht alle Tage: Der Ural Scrambler, den Tobias Kym seit 2016 besitzt, ist eine limitierte Version. Nur 20 Exemplare sind vom russischen Hersteller für den europäischen Markt produziert worden. Wegen seiner gelbschwarz-grauen Lackierung wird er liebevoll «Feuersalamander» genannt. Doch das Ural-Gespann ist hart im Nehmen und gilt als ziemlich robust. «Es ist ein entschleunigtes Fahren. Schneller als 80 km/h bin ich damit eigentlich nie unterwegs», sagt Kym.
Hündin im Beiwagen
Die Maschine ruckelt und zuckelt. «Man muss arbeiten beim Fahren, denn eigentlich will der Töff immer nur geradeaus», erzählt der Schreinermeister mit einem Lachen. Es braucht also Kraft und Konzentration, sonst landet man im Strassengraben. «Es ist eine komplett andere Fahrdynamik als bei einem Zweirad-Töff. Hier kann man nicht in die Kurven liegen, man muss lenken.»
Dafür ist dieses Motorrad-Gespann wintertauglich, es verfügt über einen zuschaltbaren Beiwagenantrieb. «Das Fahren im Schnee macht eigentlich am meisten Spass», sagt Kym. Manchmal nimmt er bei seinen Ausfahrten die Familienhündin Quirella mit, die eine eigene Motorrad-Brille hat. «Ihr gefällt das Fahren. Doch nach einer halben Stunde will sie Gassi gehen», schildert Kym, der neben dem Ural auch ein zweiräderiges BMW-Motorrad besitzt.
Von BMW inspiriert
«Es hat mich immer gereizt, einen Seitenwagen zu fahren. Eigentlich wollte ich ein altes BMW- oder Condor-Gespann, doch das sind mittlerweile Sammlerstücke und entsprechend teuer. So bin ich auf den Ural gekommen.» Seine Maschine hat 750 Kubikzentimeter, verfügt mit rund 40 km/h aufwärts.» Auf Fahrten auf der Autobahn verzichtet er meistens.
Die Wurzeln der Ural-Motorräder gehen auf das Militär zurück. Bei gemeinsamen Manövern mit der deutschen Wehrmacht vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs ist die Rote Armee offenbar auf die deutschen BMW-Seitenwagen aufmerksam geworden, die mit einem Maschinengewehr ausgerüstet waren. Die russischen Militärs waren beeindruckt und beschlossen, die deutschen Maschinen nachzubauen. Noch heute verfügen die Ural-Maschinen, die mittlerweile in Kasachstan produziert werden, über einen Boxer-Motor, so wie die Modelle von BMW.
Wenn Tobias Kym mit seinem «Feuersalamander» durch die Gegend kurvt, geht es aber immer friedlich zu und her. «Andere Verkehrsteilnehmer schauen die Maschine genau an, ich bekomme häufig positive Reaktionen.»