«Man weiss nie, was mit den Gedanken passiert»
27.02.2026 PersönlichMarco Giuoco und seine Grenzerfahrungen
Seinen ersten Ultralauf hat der Zeininger Marco Giuoco vor zehn Jahren absolviert. Seither ist er von dieser Extremsportart fasziniert.
Janine Tschopp
Bei Kilometer 233, mitten in der Südafrikanischen Wüste, hat er mit der ...
Marco Giuoco und seine Grenzerfahrungen
Seinen ersten Ultralauf hat der Zeininger Marco Giuoco vor zehn Jahren absolviert. Seither ist er von dieser Extremsportart fasziniert.
Janine Tschopp
Bei Kilometer 233, mitten in der Südafrikanischen Wüste, hat er mit der NFZ telefoniert. «Ich melde mich, sobald ich zu Hause bin», sagte Marco Giuoco zur Journalistin. Sein Plan war, den 525 Kilometer langen Ultralauf in Südafrikas Tankwa-Wüste zu absolvieren. Nach 435 Kilometern musste er aufgrund von Blasen an den Füssen aufgeben. «Natürlich ist es eine Riesenenttäuschung. Die Füsse hatte ich nicht mehr auf dem Schirm.» Eher war es bei vergangenen Läufen die Verdauung, die ihm zu schaffen machte. «Ich musste nach 120 Stunden aufgeben.»
Der Badwater-Lauf im Death Valley
Erst vor zehn Jahren begann Marco Giuoco mit dem Laufen von Ultramarathons. Ein wichtiges Schlüsselerlebnis für ihn liegt noch viel länger zurück. 2008 wurde bei ihm ein Hirntumor diagnostiziert und er hatte sich schon fast von seinen Liebsten verabschiedet. Nachdem der Tumor durch einen operativen Eingriff entfernt werden konnte, wollte er sein Leben noch aktiver gestalten. Ursprünglich im Kampfsport zu Hause wünschte er sich nach seiner Genesung, irgendwann am Badwater-Lauf im Death Valley, der als härtester Ultramarathon der Welt zählt, teilzunehmen.
Dazu kam, dass ihn seine Söhne an seinem 50. Geburtstag herausforderten, an einem Marathon teilzunehmen. «Marathon kann jeder», scherzte er und ging noch weiter. Er beschloss, an den Bieler Lauftagen mitzumachen und dort 100 Kilometer zu absolvieren. «Die letzten 30 Kilometer waren hart», erinnert er sich an seinen ersten Ultralauf. Er schaffte es und kam nach 13 Stunden ins Ziel.
An die Grenzen zu kommen, macht süchtig
Nach dem ersten Ultralauf im Juni 2016 folgten in den letzten Jahren viele weitere. Der Sportler arbeitet mittlerweile mit einem Coach zusammen, der ihm individuell auf die Events zugeschnittene Trainingspläne erstellt. «Körperliche Anstrengung in Verbindung mit extremer Umgebung fasziniert mich und macht süchtig.» Faszinierend findet er auch, seine Gedanken während Stunden einfach fliessen zu lassen. Immer wieder einmal hat er während eines Laufs wichtige private oder geschäftliche Entscheidungen gefällt. «Man weiss nie, was mit den Gedanken passiert.» So hat sich der Ökonom beispielsweise auch während eines Ultralaufs entschieden, sich frühpensionieren zu lassen. Den 217 Kilometer langen Ultralauf durch das Death Valley, den er sich nach seiner Genesung im 2008 auf den Plan gesetzt hatte, absolvierte er 2024. In der sonnenverbrannten Landschaft, die er bei 50 Grad Celsius in 45 Stunden durchlief, kam er einmal mehr an seine Grenzen. Er hatte stundenlange Krämpfe in den Beinen und im Bauch. Trainieren könne man so lange Läufe in extremer Umgebung nicht. Er hat auch schon Halluzinationen erlebt. «Anstelle der Büsche sah ich plötzlich Möbelausstellungen, Fasnachtsmasken oder Baby-Dinosaurier.»
Ein Dreamteam mit Uma
Meistens absolviert der geborene Sizilianer, der seit vielen Jahren in Zeiningen lebt, seine täglichen Trainings nicht allein, sondern gemeinsam mit seiner belgischen Schäferhündin «Uma». Sie hat ihn auch schon bei verschiedenen Läufen begleitet. Den Einfall, proteinreiche Ergänzungsnahrung für «seinen besten Freund» zu lancieren, hatte er – wie viele andere Ideen auch – während eines Ultralaufs. «Nahrung, die Menschen guttut, ist auch für Hunde gesund», ist der Tierfreund überzeugt.
Für dieses Jahr hat der Extremsportler verschiedene Anlässe auf dem Programm. Zum Beispiel wird er im Mai den «Run Express» laufen. «Da absolvieren wir an fünf Tagen in fünf europäischen Städten – Mailand, Paris, Brüssel, Amsterdam und Berlin – je einen Lauf.» Ebenfalls in diesem Jahr möchte er innert drei Wochen 750 Kilometer rund um Sardinien laufen. «Das soll ein Genusslauf werden.»
Die Ideen gehen Marco Giuoco jedenfalls nicht aus. Dem Mann, der vor zehn Jahren mit den Ultraläufen eine grosse Leidenschaft entdeckt hat.


