«Man muss sich auch mal durchbeissen können»
16.08.2026 SteinAna Ayala Pérez hat die Lehre zur Tiermedizinischen Praxisassistentin abgeschlossen
Am Anfang stand die Sorge um ihre kleine Schildkröte, ein paar Jahre später dachte sie an eine Arbeit im Zoo. Als sie während der Bezirksschule dann in einer Tierpraxis in Frick schnuppern konnte, war ...
Ana Ayala Pérez hat die Lehre zur Tiermedizinischen Praxisassistentin abgeschlossen
Am Anfang stand die Sorge um ihre kleine Schildkröte, ein paar Jahre später dachte sie an eine Arbeit im Zoo. Als sie während der Bezirksschule dann in einer Tierpraxis in Frick schnuppern konnte, war der Entscheid gefallen.
Petra Schumacher
«Eigentlich wusste ich schon immer, dass ich mit Tieren arbeiten möchte», erklärt Ana Ayala Pérez (Jahrgang 2008), die in Stein aufgewachsen ist und lebt. «Seit ich klein war, hatten wir daheim zwei Schildkröten. Als ich elf Jahre alt war, haben wir im Herbst, als wir unsere zwei Tiere in den Winterschlaf schicken wollten gemerkt, dass es ein Schildkrötenbaby gegeben hat. Die Sorge um die kleine Schildkröte Tüpfli, die wir erst bei uns im Kühlschrank, dann aber doch im Terrarium überwintert haben, hat mich weiter darin bestätigt, dass ich mich gern um Tiere kümmere», so die junge Praxisassistentin.
Während der Bezirksschulzeit in Rheinfelden begann Ana, sich konkreter mit ihrem Berufswunsch zu beschäftigen. «Erst wollte ich in die Tierpflege, dann habe ich an die Arbeit im Zoo gedacht, aber auch überlegt, ob ich in einer Tierklinik arbeiten möchte», so Ana Ayala Pérez. «Die Schnuppertage habe ich genutzt, um mir verschiedene Arbeitsbereiche anzuschauen, habe mir aber auch viel Informationsmaterial besorgt. Am besten hat es mir in der Tierarztpraxis in Frick gefallen. Dorthin habe ich dann auch meine Bewerbungsunterlagen geschickt und mich sehr gefreut, als die Zusage für die Lehre kam.»
Die Realität kennenlernen
Inzwischen liegen drei Lehrjahre hinter ihr, die sie jetzt im Sommer mit dem EFZ-Diplom abgeschlossen hat. «Rückblickend muss ich schon sagen, dass ich anfänglich nur an die schönen Dinge in diesem Beruf gedacht und die andere Seite verdrängt habe. Wenn ein Tier sehr krank ist und wir ihm nicht helfen können, kann ich inzwischen gut damit umgehen, wenn es eingeschläfert werden muss. Wenn etwas Ungeplantes mit einem jungen Tier passiert, muss ich nach wie vor schauen, dass ich die Gedanken in der Praxis lasse und nicht am Abend mit nach Hause nehme.» «Auf den Bez-Abschluss war ich stolz und fühlte mich für die Lehre gut gerüstet. Aber gleich am ersten Lehrtag bekam ich dann den ‹Realitätsklaps›, wie ich es nenne. Ich stand da und merkte, dass ich gar nichts wusste. Alles war neu, vieles kam auf einmal und dazu mussten manche Dinge sofort umgesetzt werden. Da habe ich mich schon ganz klein gefühlt. Das gesamte Team in der Praxis hat mich aber super unterstützt. Man muss die Augen offen halten, sich trauen nachzufragen und mutig sein, etwas auszuprobieren. Das habe ich schnell für mich gelernt», so die Praxisassistentin.
Der Ausgleich ist wichtig
Mit der Lehre hat sich Ana Ayala Pérez gewohnter Lebensalltag gründlich geändert. Sich mit Kollegen verabreden und in den Ausgang gehen, fiel plötzlich weg. «Ich stand von Anfang an teilweise acht Stunden am Tag, musste mich auf den Schichtbetrieb einstellen und dazu für die Schule die Theorie lernen und natürlich habe ich jetzt viel weniger Ferien als früher», erzählt Ana. «Das war schon sehr anstrengend. Ich brauchte viel mehr Schlaf als sonst.» Einzig auf den Sport wollte sie nicht verzichten. «Ich spiele schon lange beim VBC in Stein Volleyball. Das konnte ich beibehalten, gerade auch weil mir die Bewegung als Ausgleich gut tut. Und natürlich ist es schön, dort die Kollegen zu treffen.»
Für die Berufsschule ging es für Ana einmal die Woche nach Zürich. «Viel von der Stadt habe ich ja nicht mitbekommen, aber es tat doch gut, zwischendurch mal etwas Stadtluft zu schnuppern.» In der Theorie ging es um biologisches und pharmakologisches Wissen, gesetzliche Grundlagen aber auch um Sprechstunden-Know-how. «Dazu kamen überbetriebliche Kurse, wo wir praktische Sachen üben konnten, zu denen man im Lehralltag vielleicht noch nicht gekommen ist, wie die Anästhesie.»
Durchhänger überstehen
Den Tierarzt in der Sprechstunde unterstützen, bei Operationen assistieren, Narkoseüberwachung, Laborarbeiten, administrative Aufgaben, Telefondienst und die Arbeit am Empfang – Anas Tätigkeitsliste ist lang und vielfältig. «Völlig überrascht war ich, dass ich eigentlich viel mehr mit Menschen als mit Tieren zu tun habe», erzählt die Praxisassistentin. «Ich musste lernen, mit dem manchmal rauen und auch unhöf lichen Ton, den es leider auch gibt, umzugehen, nichts persönlich zu nehmen, ruhig zu bleiben und professionell zu antworten. Wenn die Arbeitstage lang waren, es unschöne Situationen mit den Tieren gab und dazu unangenehme Gespräche mit den Tierbesitzern, war das wirklich hart. Da musste ich mich manchmal ordentlich durchbeissen und mich neu motivieren. Mir hat es geholfen, dann an die schönen Momente zu denken, wo ich erlebt habe, wie sehr wir mit unserer Arbeit den Tieren helfen können. Zudem hat mich das Praxisteam unterstützt, wenn ich spürbar einen Durchhänger hatte.»
Die drei Lehrjahre waren teilweise recht anspruchsvoll, trotzdem blickt Ana gerne auf die Zeit zurück. «Wenn ich überlege, dass ich am Anfang erst lernen musste, wie man ein Tier richtig hält und was ich jetzt alles kann und weiss, bin ich schon stolz auf mich.» Zunächst stand die Überlegung an, direkt die Berufsmatur anzuschliessen. Doch beim Lernen braucht Ana gerade eine Pause. «Mir wurde hier in der Tierarztpraxis ein unbefristeter Vertrag angeboten, den ich gern angenommen habe. Vielleicht gehe ich irgendwann mal für ein Jahr ins Ausland oder mache eine Zusatzausbildung als Hundecoiffeuse. Aktuell fühle ich mich hier im Team und in der Praxis wirklich sehr wohl und freue mich, weiterhin viele praktische Erfahrungen sammeln zu können», so die Praxisassistentin.

