Leben mit Demenz
07.05.2026 ZuzgenEine Herausforderung für Betroffene und Angehörige
Monika Wiederkehr vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) leitet das Tageszentrum für Demenzkranke in Aarau und die Tagesstätte in Frick. Im reformierten Kirchgemeindezentrum in Zuzgen referierte sie über die ...
Eine Herausforderung für Betroffene und Angehörige
Monika Wiederkehr vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) leitet das Tageszentrum für Demenzkranke in Aarau und die Tagesstätte in Frick. Im reformierten Kirchgemeindezentrum in Zuzgen referierte sie über die Auswirkungen der Krankheit auf die Betroffenen sowie deren Angehörige.
Monika Wiederkehr betonte, wie wichtig es ist, pflegende Angehörige zu entlasten, die oft die Hauptlast der Pflege tragen.
Eine komplexe Krankheit
Demenz ist eine Erkrankung, bei der Gehirnzellen absterben, was Auswirkungen auf alle Körperfunktionen mit sich bringt. Sie führt zu einem fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten und beeinträchtigt auch die körperlichen Funktionen. Im Aargau sind derzeit rund 12 000 Menschen, in der Schweiz rund 161 000 Menschen betroffen – der jährliche Zuwachs liegt bei knapp 35 000 Menschen. Die Kosten der Demenz belaufen sich auf etwa 11,8 Milliarden Franken pro Jahr, wobei die Hälfte dieser Kosten durch das Engagement der Angehörigen getragen wird.
Die Krankheit beginnt oft zehn Jahre vor der Diagnose, und etwa die Hälfte der Betroffenen erhält keine fachärztliche Diagnose. Der Verlauf der Demenz ist unaufhaltsam und endet meist mit dem Tod des Patienten. Zu den häufigsten Symptomen gehören Gedächtnisstörungen, Orientierungsprobleme und psychische Veränderungen wie Depressionen und Angstzustände. Auch der Verlust von körperlichen Funktionen wie Inkontinenz und Schlafstörungen ist typisch.
Auswirkungen auf die Kommunikation
Monika Wiederkehr betonte, dass die Kommunikation mit Demenzkranken zunehmend schwierig wird. Betroffene verlieren die Fähigkeit, komplexe Gedanken zu äussern, und kommen oft nicht mehr zu Wort. Sie stellen wiederholt dieselben Fragen und verlieren das Interesse an vielen Dingen. Besonders wichtig ist es, auf positive Dinge einzugehen und den Betroffenen nicht zu korrigieren. «Reden mit einem Demenzkranken ist wie eine Fremdsprache», sagte Wiederkehr. Empfohlen wird, Gespräche mit einfachen, positiven Themen zu führen und schnelle Themenwechsel zu vermeiden. Auch sollte man Störreize reduzieren, langsam und klar sprechen sowie Ablenkungen einbauen, um den Gesprächspartner zu entlasten.
Herausforderungen für Angehörige
Die Betreuung eines Demenzkranken ist eine enorme Belastung für die Angehörigen. Der schleichende Verlust des erkrankten Familienmitglieds und die Ungewissheit über die Zukunft stellen eine psychische und physische Herausforderung dar. Angehörige sind oft jahrelang mit der Pflege beschäftigt, was ihre Lebensqualität stark beeinträchtigt. Dies betrifft nicht nur den emotionalen Bereich, sondern auch die finanzielle und soziale Situation. Wiederkehr erläuterte, dass viele Angehörige sich mehr Verständnis und Anerkennung für ihre Aufgabe wünschen. Sie forderte, dass die Gesellschaft die Pflegeleistung der Angehörigen stärker anerkennt und konkrete Unterstützungsmöglichkeiten bietet.
Entlastungsangebote für Angehörige
Ein zentrales Anliegen von Wiederkehr ist die Entlastung der pflegenden Angehörigen. Das SRK bietet verschiedene Angebote wie Tagesbetreuung, Entlastungsdienst, Fahrdienste und Beratungsdienste an. In den Tageszentren des SRK können Demenzkranke ihre Tage mit strukturierten Aktivitäten wie Kochen, kreativen Arbeiten und sozialen Spielen verbringen. Dies fördert nicht nur ihre geistige Aktivität, sondern bietet den Angehörigen auch eine dringend benötigte Auszeit.
Wiederkehr betonte, dass diese Entlastungsangebote nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für deren Angehörige von unschätzbarem Wert seien. Sie erhalten Zeit für sich selbst, können sich erholen und neue Kraft schöpfen. «Unsere Angebote bieten nicht nur den Betroffenen eine Unterstützung, sondern auch den pflegenden Angehörigen eine wichtige Auszeit.»
Eine sinnstiftende Aufgabe trotz der Belastung
Trotz der vielen Herausforderungen, die mit der Pflege von Demenzkranken verbunden sind, betonte Monika Wiederkehr, dass diese Aufgabe auch eine sinnstiftende Dimension hat. Sie ermutigte die Anwesenden, trotz aller Schwierigkeiten die positiven Aspekte der Betreuung zu sehen und die Bedeutung von Unterstützung und Austausch innerhalb der Gesellschaft zu erkennen. Die Angebote des SRK Kanton Aargau bieten eine wertvolle Unterstützung für Demenzkranke und deren Angehörige. Weitere Informationen zu diesen Entlastungsangeboten können auf der Webseite des SRK eingesehen werden. (im)

