In Sulz gehört der Pfingstsprützlig zum Pfingstsonntag. Drei junge Männer werden mit Laub eingekleidet, ziehen durch ihre Dorfteile und schöpfen an den Brunnen Wasser. Der Ablauf folgt einer Überlieferung, die bis heute von vielen Familien mitgetragen wird.
Ludwig Dünner
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In Sulz gehört der Pfingstsprützlig zum Pfingstsonntag. Drei junge Männer werden mit Laub eingekleidet, ziehen durch ihre Dorfteile und schöpfen an den Brunnen Wasser. Der Ablauf folgt einer Überlieferung, die bis heute von vielen Familien mitgetragen wird.
Ludwig Dünner
Auch in diesem Jahr blieben viele Einwohnerinnen und Einwohner über das verlängerte Pfingst wochenende in Sulz. Am Sonntagvormittag trafen sich in Obersulz, Mittelsulz und Bütz Gruppen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, um gemeinsam in den Wald zu gehen. Dort waren die Arbeiten verteilt. Männer und junge Burschen schnitten Äste von bereits gefällten Buchenstämmen. Frauen und Mädchen banden Blumensträusse aus Wiesen- und Gartenblumen. Vor dem Mittag wurden aus dem Laub Bünde vorbereitet, mit denen später der jeweilige Pfingstsprützlig eingekleidet wurde. Danach gab es für die Helfenden eine Wurst vom Feuer.
Die Rolle wird weitergegeben
Für das Einkleiden der Laubgestalten gibt es keine schriftliche Anleitung. Das Wissen wird in den Familien von einer Generation an die nächste weitergegeben. Wer die Rolle übernimmt, gilt im Dorf als ausgewählt. In diesem Jahr trugen Nico Ryner für Mittelsulz, Leon Weiss für Bütz und Niklas Kuster für Obersulz das Buchenkleid. Bei den Mittelsulzer haben die Schuler mit Emil Harsch einen «kleinen Lehrling eingekleidet» Die Laubhülle mit einem Gewicht von rund 20 Kilogramm liess ihre Träger zu einer Höhe von rund 3 Metern anwachsen. Ohne Hilfe wäre der Weg durch das Dorf kaum zu bewältigen. Deshalb standen jedem Pfingstsprützlig zwei Begleiter zur Seite.
Umzug, Brunnen und Abschluss auf dem Festplatz
Der Umzug begann in den drei Dorfteilen um 15 Uhr. Schulkinder gingen voran und läuteten Glocken. Mädchen begleiteten den Zug mit den Sträussen, die sie zuvor gebunden hatten, und verkauften sie entlang der Strasse. An den Brunnen hielt der Zug jeweils an. Dann trat der Pfingstsprützlig mit seinen Helfern vor, um möglichst viel Wasser zu schöpfen. Dem Brauch nach soll dieses Wasserschöpfen einen trockenen Sommer abwenden und der Ernte dienen.
Als um 16 Uhr die Kirchenglocken erklangen, trafen sich die drei Gruppen auf dem Platz bei der Turnhalle. Dort verfolgten viele Besucherinnen und Besucher den letzten Teil des Tages. Noch einmal mussten die drei Laubgestalten Kraft einsetzen und einen bereitgestellten Brunnen leeren. Dabei war auch ein Wettstreit zwischen den Ortsteilen zu spüren, denn jeder wollte mehr Wasser schöpfen als die anderen. Für viele am Rand blieb lange offen, wer sich unter dem Laub verbarg. Erst beim Auskleiden wurde das Rätsel gelöst. Danach endete der Einsatz für die drei jungen Männer. Gemeinsam sassen sie auf dem Brunnenrand und stiessen mit einem Bier auf den gelungenen Tag an.