«Lasst uns laut und lustig sein»
30.12.2025 KolumneSusanne Hörth
KI ist längst zu einem ständigen Alltagsbegleiter für viele geworden. Ich wollte von ChatGPT, Copilot und weiteren Künstlichen Intelligenzen erfahren, welche Bedeutung für sie denn Weihnachten hat. Die Antworten waren fast identisch. Sie ...
Susanne Hörth
KI ist längst zu einem ständigen Alltagsbegleiter für viele geworden. Ich wollte von ChatGPT, Copilot und weiteren Künstlichen Intelligenzen erfahren, welche Bedeutung für sie denn Weihnachten hat. Die Antworten waren fast identisch. Sie stuften sie weniger als persönliches Erlebnis, sondern vielmehr als ein kulturelles und menschliches Symbol voller Gemeinschaftssinn, Tradition und auch religiöses Fest ein. Ein wenig persönlicher wurde es doch, als etwa Copilot schrieb: «Weihnachten ist ein Moment, in dem die Welt kurz langsamer wirkt. Selbst in einer hektischen Gesellschaft bleibt dieser Gedanke von Wärme, Geborgenheit und ‹wir gehören zusammen›.» Für die KI ist es ein faszinierendes Beispiel, wie ein Fest über Jahrhunderte hinweg Menschen verbindet – egal ob durch Glauben, Kultur oder einfach durch das Bedürfnis nach Nähe.
Was bedeutet uns Echtmenschen denn eigentlich Weihnachten? Auf diese Frage bekomme ich unerwartet eine Antwort, als ich kurz vor Heiligabend in einem Einkaufszentrum auf meine Shopping-Begleitung warte. Neben mir sitzen zwei junge Mütter, die Kinder springen fröhlich herum. Die eine der Mütter sagt zur anderen begeistert: «Ist das nicht die schönste Zeit im Jahr überhaupt? Hier zu hocken, die Hektik und den Trubel um uns herum zu beobachten, die vielfach zu übertriebenen, doch auch immer schönen Dekorationen zu bestaunen …!»
Eine ältere Dame hört ebenfalls zu. Ich frage sie, was sie denn an Weihnachten besonders mag. «Die Erinnerungen. An meine Kindheit, an die Zeit, als unsere Kinder klein waren und auch immer an schöne Begegnungen während der Festtage.» Beim Aufstehen sagt sie. «Da kommt meine Tochter. Wir treffen uns alle zwei Wochen zum Käffele und Plaudern. Das ist vor und nach Weihnachten immer schön und stets ein schönes Geschenk.»
Von meiner Shopping-Verabredung will ich später ebenfalls erfahren, was sie mit Weihnachten verknüpft. «Ganz ehrlich? Nicht allzu viel.» Dann korrigiert sie sich jedoch: «Sobald die ersten Weihnachtsbeleuchtungen hängen, beginne ich zu singen.» Auf meinen belustigten Blick entgegnet sich mit einem Grinsen: «Ja wirklich. Ich singe viel, laut, falsch und oft mit erfundenen Texten. Meist kenne ich nämlich nur die ersten paar Zeilen der bekannten Weihnachtslieder.» Zum Beweis stimmt sie an: «Lasst uns laut und lustig sein, uns wie die kleinen Kinder freun …».
In diesem Sinne wünsche ich allen Echtmenschen einen schönen Start in ein gutes, gesundes und gfreuts 2026.
