«Lasst die Häuser ihre Geschichten erzählen»
25.08.2026 FricktalDie Dorfgeschichte von Bözen ist jetzt online verfügbar
Alte Geschichten sind interessant und faszinierend. Es gilt das Wissen zu sammeln und bewahren. Ein Projekt in Bözen zeigt, wie sich Dorfhistorie im digitalen Zeitalter präsentieren lässt.
Petra Schumacher
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Die Dorfgeschichte von Bözen ist jetzt online verfügbar
Alte Geschichten sind interessant und faszinierend. Es gilt das Wissen zu sammeln und bewahren. Ein Projekt in Bözen zeigt, wie sich Dorfhistorie im digitalen Zeitalter präsentieren lässt.
Petra Schumacher
Am letzten Donnerstag war der obere Saal im Gemeindehaus mit über fünfzig Zuhörenden gut gefüllt. Eingeladen war zum Anlass «Bözen im Wandel der Zeit». Präsentiert wurde eine Internetseite, die die Dorfgeschichte auf ihre ganz eigene Weise dokumentiert. Hinter dem Projekt stehen Walter Amsler, Peter Berger, Urs Frei und Peter Brack. «Unsere Generation verfügt noch über das Wissen der alten Geschichten. Wenn wir dieses nicht zusammentragen und sammeln, ist es für immer verloren», sind sich die Protagonisten sicher. Um das Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entstand die Idee, alle verfügbaren historischen Karten und Daten mittels eines Kartenwerks zu visualisieren und digital aufzubereiten.
Häuser und ihre Geschichten
Walter Amsler und Peter Berger übernahmen den ersten Teil des Abends. Amsler ist Informatiker und Lokalhistoriker und forscht und schreibt über Böztal. In jahrelanger Fleissarbeit hat er ein Archiv zu den ursprünglichen Häusern, ihren Besitzern und deren Geschichten aufgebaut. «Mir haben die Lagerbücher geholfen, wo seit 1809 alle Häuser mit Hausnummern erfasst wurden. Leider änderten alle 30 Jahre die Hausnummern, was die Arbeit komplizierter machte.» Für seine Recherchen griff er auch auf Kirchenbücher zurück, die um 1562 einsetzen.
Digitales Kartenwerk
Wie es auf dem Dorf so ist, kennt man sich. So fanden Walter Amsler und Peter Berger zusammen. Peter Berger stammt aus Bözen, lebt inzwischen in Zürich, hat aber noch immer Bezüge zu seinem Heimatort. «Ich habe Informatik studiert, bin dann ins Management gewechselt und freue mich jetzt nach der Pensionierung wieder zu programmieren.» Amsler und Berger kombinierten alte Dorfpläne mit bestehenden Online-Karten des Kantons Aargau. So wurden Flurnamen, Grenzsteine, aber auch inzwischen verschwundene Häuser erfasst. Auf einer Karte von 1947 wurden die Häuser per Hand farblich markiert, deren Geschichte aufgearbeitet werden konnte. Informationen, die Walter Amsler zu den Häusern und ihren Besitzern recherchiert hatte, wurden nach einem Schema sortiert, digitalisiert und dem Kartenwerk zugeordnet. Peter Berger spricht von drei bis vier Jahren Arbeit, die in dem vorliegenden Ergebnis stecken.
Das gesamte Kartenwerk ist auf der Internetseite «wandelderzeit. ch» zu finden. Nachlesbar sind dort auch Informationen zur Güterregulierung und alten Dorf- und Übernamen. Zudem wurde eine Rundwanderung erstellt, die Einblicke in das historische Bözen vermittelt. Den Plan mit allen Informationen gibt es als Flyer aber auch in einer Online-Version.
Hierbei kann der interessierte Nutzer unterwegs Objekte anklicken und erhält direkt alle verfügbaren Informationen.
Einstimmiges Lob
Nach Vorstellung der Internetseite im Gemeindesaal führte Walter Amsler auf einem kurzen Rundgang durchs Dorf und zeigte anhand einiger Beispiele, welches Wissen inzwischen zusammengetragen werden konnte. Seine Ausführungen wurden dabei durch Peter Brack ergänzt, der als Sachkenner der historischen Objekte rund um Bözen gilt. Die intensiven Diskussionen und Gespräche während des Rundgangs, die später auch beim Apéro fortgesetzt wurden, wiesen auf das grosse Interesse der Zuhörerschaft am Thema hin. Für die digitale Historiensammlung gab es einstimmiges Lob.


