Helen Schmid
Wir leben in einer christlichen Region, in einem christlich geprägten Land. Egal, welcher Konfession Menschen angehören, mehr oder weniger oder nicht gläubig sind, in allen Regionen kann man christlich geprägte Kirchen oder Kapellen antreffen. In den ...
Helen Schmid
Wir leben in einer christlichen Region, in einem christlich geprägten Land. Egal, welcher Konfession Menschen angehören, mehr oder weniger oder nicht gläubig sind, in allen Regionen kann man christlich geprägte Kirchen oder Kapellen antreffen. In den meisten dieser Gebäude ragt ein Turm oben aus, da sind die Glocken zu Hause.
Glocken sind mit dem Leben verwurzelt und begleiten uns im Leben. Ihr Geläut kündet Taufen an, aber auch die Sakramente wie Erstkommunion, Konfirmation, Firmung, Hochzeit. Sie läuten in unseren Gemeinden das Lebensende eines Menschen ein und laden später ein zum Abschied nehmen.
Sie läuten und strukturieren den Tag. Wenn ich im Weinberg arbeite, vergesse ich oft die Zeit, es sind jeweils die Glockenschläge, die mich wieder «wach» rütteln und anzeigen, dass es Zeit ist für den Feierabend. Glockengeläut ladet nicht nur zu einem Gottesdienst ein – Glockengeläut ladet ein zum Innehalten, einen Moment in sich kehren, still werden. Auch an abgelegenen Orten kann man oft über das Tal Glockengeläut hören, es verbindet Menschen, verbindet Himmel und Erde.
Als ich unlängst in einem abgelegenen Bergdorf verweilte und von weitem Glockengeläut hörte, wurde mir bewusst, wie wichtig es früher war. Die Glocken läuteten auch, wenn Gefahr drohte und verband die Menschen in schwierigen Situationen. Glockenklänge können zudem ein Gefühl von Heimat, Gemeinschaft und Beständigkeit vermitteln.
Kürzlich war ich an einem Sonntagmorgen in einem nahe gelegenen Städtchen mit dem Velo unterwegs, drei Kirchen zeigen sich da. Es begann bei einer Kirche zu läuten, später bei den beiden anderen. Dreimal andere Klänge. Die Bewohner des Ortes kennen die unterschiedlichen Glocken, ich bekam Hühnerhaut und war emotional bewegt. Ich fuhr zu allen drei hin, bei jeder Kirche folgten einige Leute der Einladung zum Gottesdienst. Bei der letzten gesellte ich mich auch dazu und lauschte entspannt den Worten eines Unbekannten und den Klängen eines befreundeten Chores.
Glockengeläut am Sonntagmorgen weckt bei vielen auch Kindheitserinnerungen. Die Strasse, welche zu der Kirche im Dorf führte, war voll von Kirchgängern. Der sonntägliche Gottesdienst war im Sonntagprogramm verankert und ein Treffpunkt für Jung und Alt.
Heute wird das Geläut in der Gesellschaft oft als störend und nicht mehr «als zeitgemäss» empfunden. Ich finde es schön, wenn wir uns besinnen, was die Glocken uns sagen wollen, so können wir das Geläut verstehen und uns verbinden lassen. Ich wünsche mir, dass es weiterhin als wertvolles und kulturelles Erbe geschätzt wird in unserer christlich geprägten Region.
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