«Kunst war von Anfang an mein Berufsziel»
14.05.2026 PersönlichBeat Glünkin hat als Lehrer sein Leben der Kunst gewidmet. Seit seiner Pensionierung schafft der Magdener selbst vielfältige Kunst. Ausserdem organisiert er Ausstellungen im Dorfmuseum Magidunum und Weihnachtsmärkte in Riehen.
Boris Burkhardt
An der Kunst fasziniert ...
Beat Glünkin hat als Lehrer sein Leben der Kunst gewidmet. Seit seiner Pensionierung schafft der Magdener selbst vielfältige Kunst. Ausserdem organisiert er Ausstellungen im Dorfmuseum Magidunum und Weihnachtsmärkte in Riehen.
Boris Burkhardt
An der Kunst fasziniert Beat Glünkin, «dass sie keine Grenzen hat». Er hat sich «dem Spiel mit Farben, Formen und Material verschrieben» und lässt sich auf kein Kunstgenre festlegen. Er arbeitet mit Tusche, Acryl, Karton, Holz, Keramik und der Druckerpresse, erschafft «abstrakte Kunst mit realistischen Elementen» in Bildern, Skulpturen und Graphiken. «Ich will etwas auslösen beim Betrachter», sagt Glünkin, «und eine Geschichte erzählen.» Jüngst stellte er seine Bilder in der privaten Galerie Artune in Frick aus; die nächste Ausstellung ist noch offen.
Seit über 40 Jahren im Fricktal
Seit 1983 lebt der gebürtige Aarauer, Jahrgang 1953, in einem alten Bauernhaus in Magden, wo er sich auch das Atelier eingerichtet hat. Seine Frau ist ebenfalls gestalterisch tätig und kreiert zurzeit Buchumschläge. Das Ehepaar heiratete 1984; die beiden Kinder kamen 1987 beziehungsweise 1991 zur Welt. In Magden fühlt sich Glünkin wohl: In seinem grossen Garten achtet er auf Artenvielfalt und hat rund 250 Pflanzenarten inklusive Obstbäume gezählt. «Ich bin Fan von Naturgärten; und die Natur darf etwas wild sein»,sagt er.
Glünkin wuchs als Sohn eines Architekten auf; Kunst war von Anfang an sein Berufsziel. «Zeichnungslehrer» nannte man damals, wie er sagt, was er nach seinem Studium an der Kunsthochschule Zürich war: Gymnasiallehrer für «Bildendes Gestalten». Nach Kantonsschulen in Zürich und Urdorf trat er 1983 eine Stelle an der Bezirksschule Rheinfelden an. Dort blieb er bis zu seiner Pension 2018, später als Rektor, zum Schluss als Mitglied im Schulleitungsteam. Obwohl inzwischen 72, springe er noch immer als Vertretungslehrer ein. Seine Arbeiten als Künstler begann Glünkin noch während der Berufstätigkeit: «Seit meiner Pensionierung habe ich aber deutlich mehr Zeit dafür.»
Von Erfahrungen gelernt
Oft erzählt Glünkin Autobiographisches in seinen Kunstwerken. Er will dem Betrachter aber nicht vorgreifen: «Er hat vielleicht seine eigene Geschichte, die er darin sieht.» Seine Erfahrung lehrt ihn: «Die Überraschung, die Kunst hervorruft, ist oft unvorhersehbar. Ein unerwarteter Blickwinkel oder eine gewagte Komposition kann uns dazu anregen, die Welt mit neuen Augen zu sehen.» Kunst sei immer Entwicklung: «Ich male heute nicht mehr wie vor zehn oder 20 Jahren.»
Künstliche Intelligenz ist für Glünkin bei seinem Schaffen kein Thema. Aber er weiss, welch grossen Stellenwert sie beispielsweise bereits in der Grafik-Branche einnimmt. Im Unterricht sei es ihm aber immer wichtig, den Bezug zu bestehender Kunst herzustellen. Seinen eigenen Kunstgeschmack ordnet Glünkin sehr breit ein und nennt die beiden niederländischen Barockmaler Rembrandt (1606– 1669) und Jan Vermeer van Delft (1632–1675) ebenso als Bezugspunkt wie die japanische moderne Gestalterin Yayoi Kusama, deren Ausstellung er Anfang des Jahres in der Fondation Beyeler in Riehen besuchte.
Sommerausstellung wird vorbereitet
Wenn Glünkin nicht im Atelier oder vertretungsweise in der Bezirksschule zu finden ist, hält er sich beizeiten im Magdener Dorfmuseum Magidunum auf. Dort ist er im Vorstand des Trägervereins aktiv, der sich erst vergangenes Jahr gründete und die Betreuung von Museum und Galerie von der Einwohnergemeinde übernahm. Derzeit bereiten Glünkin und seine Kollegen die Sommerausstellung vom 13. bis 28. Juni vor. Seine eigenen Bilder stellte er im Museum zuletzt im Juni 2024 aus.
Gerne unternimmt Glünkin grosse Velotouren durch Frankreich oder den Rhein entlang nach Holland; aktuell ist er in Italien unterwegs.
Seit vergangenem Jahr organisiert Glünkin ausserdem im Duo mit Heidi Stasiak-Seitz den Weihnachtsmarkt in Riehen. Zur Basler Landgemeinde hat Glünkin keine persönliche Beziehung; die geografisch eigenwillige Verbindung kam über den Weihnachtsmarkt in der Basler Markthalle zustande. Auch dort ist Stasiak-Seitz Organisatorin und lud Glünkin 2023 ein, an einem ersten Versuch teilzunehmen, einen Künstlermarkt auf dem Weihnachtsmarkt zu etablieren. «Ich war einer von vier Künstlern und skeptisch, ob diese Kombination funktionieren könne», erinnert er sich. Tatsächlich sei es bei diesem einen Versuch geblieben. Glünkin stellte jedoch fest, dass er gut mit Stasiak-Seitz zusammenarbeiten konnte, und nahm deshalb ihr Angebot an, gemeinsam einen neuen Weihnachtsmarkt als Kreativmarkt in Riehen zu etablieren. 2024 scheiterte die Idee noch an den mangelnden Räumlichkeiten; vergangenes Jahr fanden sich am Wochenende vor dem Ersten Advent aber 48 Hobby-Kunsthandwerker aus der ganzen Region im Landgasthof zusammen. Den Markt organisierten Glünkin und Stasiak-Seitz ehrenamtlich; die nächste Ausgabe im kommenden Advent ist nach dem grossen Erfolg bereits in Planung.

