Korruption aufdecken und angehen
27.04.2026 RheinfeldenTalk im Schützen Rheinfelden
Am Mittwoch, 29. April, kommt die Ethnologin Lucy Koechlin nach Rheinfelden. Sie geht im Gespräch mit Ueli Mäder darauf ein, wie sich Korruption aufdecken und eindämmen lässt.
Für Lucy Koechlin ist Korruption «kein ...
Talk im Schützen Rheinfelden
Am Mittwoch, 29. April, kommt die Ethnologin Lucy Koechlin nach Rheinfelden. Sie geht im Gespräch mit Ueli Mäder darauf ein, wie sich Korruption aufdecken und eindämmen lässt.
Für Lucy Koechlin ist Korruption «kein harmloses Schmiermittel, wenn alles harzt». Korruption schwäche vielmehr das soziale Miteinander und das Vertrauen in demokratische Verfahren. Koechlin arbeitete als politische Anthropologin am Institute on Governance an der Universität Basel. Sie forscht über Korruption in Afrika und bei uns; so etwa beim Rohstoffhandel und bei Fluchtgeldern. Das Zusammenspiel von direkter Demokratie und Zivilgesellschaft liegt ihr am Herz. Die Fachfrau für gute Regierung engagiert sich auch für gemeinnützige Stiftungen. Und sie präsidiert die Basel-Städtische Kommission für Internationale Zusammenarbeit (IZA). Bis 2029 erhöht der Kanton die Mittel schrittweise auf 0.7 % der Steuereinnahmen.
Grosse und kleine Korruption
Korruption liegt für Koechlin vor, «wenn partikulare Interessen die Grenze zwischen privat und öffentlich überschreiten». Was oft banalisiert und legalisiert werde. Davon zeuge etwa Diktator Mobutu, der mit US-Hilfe eine demokratisch legitimierte Regierung wegputschte, bis 1997 die ehemals Belgische Kolonie Kongo beherrschte und «erbeutete Gelder in der Schweiz parkierte». Banken reichten dann der Witwe noch sieben Millionen Dollar nach. Versuche, diese Mittel der Bevölkerung zukommen zu lassen, scheiterten an hiesigen Behörden. Sie lehnten auch eine Aufsichtsbeschwerde des Strafrechtlers Mark Pieth ab.
«Der Korruptionsjäger» (Zytglogge 2013) führt das Beispiel in einem Buch über ihn weiter aus. Es liegt an der Veranstaltung im Schützen auf. Ebenso der Roman «Evil Elite» (Ueberreuter 2026). Die Rheinfelder Juristin Aline Atman verfasste ihn über einen fiktiven Korruptionsfall. Die Neue Fricktaler Zeitung (vom 26. März 2026, S. 2) berichtete darüber.
Grosse Korruption beinhaltet laut Koechlin etwa hohe Provisionen bei der Vergabe von öffentlichen Infrastrukturprojekten. Mit kleiner Korruption meint sie alltägliche Schmiergelder für Behörden und Polizei. Diese könnten allerdings ebenfalls tödlich wirken. Zum Beispiel dann, «wenn ein Polizist zuerst Geld annimmt und dann einfach wegschaut, oder wenn eine Hebamme nur nach erfolgter Bestechung bei einer Geburt assistiert».
«Helvetische Vetterliwirtschaft»
In der Schweiz wird Korruption, so Koechlin, zuweilen wie eine «kuriose helvetische Vetterliwirtschaft» verniedlicht. Die Ethnologin bringt dazu Beispiele aus dem Dorf ein, in dem sie aufgewachsen ist. Sie erwähnt auch «das handfeste Bündner Baukartell», das 2017 auff log. An diesem Skandal irritiere, wie sich im Engadin die moralische Entrüstung über die langjährigen Preisabsprachen mehr auf die Einmischung durch Bern beziehe, denn auf die Korruption vor Ort.
In Afrika begegnen Koechlin immer wieder Vorwürfe zur Doppelmoral der Schweiz, die Korruption zwar verurteile, aber begünstige. Indem sie eben Herrschenden erlaube, geraubtes Geld legal aus dem Land zu bringen. Und heute richte sich die Kritik vor allem auf den Handel mit Rohstoffen und Edelmetallen. So habe die Schweiz vier der grössten Goldraffinerien der Welt, jedoch keine verbindlichen Verfahren, um die Herkunft des Goldes zurückzuverfolgen. Die kleine Schweiz beherberge auch die grössten Rohstoffhändler der Welt, halte sich aber bei ausgewiesenen Verletzungen der Menschenrechte zurück.
Koechlin hält dafür, demokratische, rechtsstaatliche und zivilgesellschaftliche Prozesse zu stärken. Die Schweiz verfüge da über wertvolle Erkenntnisse. Hoffnungen wecke auch die Generation Z, die sich weltweit für soziale Teilhabe und tragfähige Kompromisse einsetze. Dazu interessieren ebenfalls eigene Erfahrungen. Koechlins Vater war Direktor der Ciba-Geigy. (mgt)
Mittwoch, 29. April 2026, 19.30 bis 21 Uhr, im Hotel Schützen, Bahnhofstrasse 19, Rheinfelden). Gast ist: Lucy Koechlin. Musik: Peter Schmid. Moderation: Ueli Mäder. Tickets: www.schuetzenhotels.ch/de/

