«Konfetti ist die offizielle Fasnachtswährung»

  12.02.2026 Persönlich

Interview mit dem Fasnachtsgeist, dem Schutzpatron des gepflegten Unsinns

In der Fasnachtszeit sei es für einmal auch erlaubt, mit einem närrischen Geist ein Interview zu führen. Erst recht, wenn die Interviewerin offiziell den Titel einer Ehrennärrin trägt.

Susanne Hörth

NFZ: Ist die Fasnacht eigentlich etwas Lustiges oder vielmehr eine todernste Angelegenheit? Fasnachtsgeist: Was für eine Frage. Es ist das lustigste Ernste und ernsteste Lustige überhaupt. Jeder, der etwas anderes erzählt, hat vermutlich Konfetti im Getriebe.

Das ist gerade ziemlich frech von einem, der doch eigentlich geistreich sein müsste.
Findest Du? Ist es nicht vielmehr so, dass mein Reichtum eben darin besteht, frech sein zu dürfen. Ebenso lustig, ernst, vorwitzig, manchmal gar etwas verschlagen und stets etwas vorlaut. Ich würde mich also durch und durch als geistreich bezeichnen.

Im Fricktal wird die Fasnacht vielerorts zelebriert. Welche Aufgabe kommt Dir als Fasnachtsgeist zu?
Ich denke, man könnte mich als unsichtbarer Betriebsleiter für gute Laune bezeichnen.

Mehr nicht?
Sicher schon. Ein bisschen bin ich auch der Dirigent, der die Menschen in einem gemeinsamen Orchester, in dem die Instrumente so scheinbar gar nicht zusammenpassen, bewusst wild durcheinander spielen lasse.

Oha, ein philosophischer Geist …
Auch das immer wieder sehr gerne. Letztlich sehe ich mich aber vielmehr als Schutzpatron des gepflegten Unsinns.

Du bezeichnest Fasnacht als Unsinn. Du begibst Dich damit auf sehr dünnes Eis. Das findet nicht jeder lustig.
Bin ich mir bewusst. Es ist doch gerade diese Gradwanderung zwischen lustig und ernst, welche die Fasnacht so sinnvoll unsinnig macht.

Was antwortest Du einem Fasnachtsungläubigen, der nach dem Sinn der Fasnacht fragt?
Dass er oder sie diese Frage gar nicht erst stellen sollte. Sinnvoller ist, Fasnacht als Zustand zu erleben.

Und was bist Du? Ein Zustand? Echt oder nur verkleidet?

Ich bin ein Geist. Natürlich bin ich echt verkleidet.

Bist Du eigentlich DER Geist, der in den verschiedenen Fasnachtshochburgen das Sagen hat?
Sag so etwas ja nicht. Da wäre fertig mit lustig. Es gibt definitiv nicht den EINEN Geist.

Was sollte an Fasnacht Deiner Meinung nach nie getan werden?
Versucht nie, Konfetti wegzuwischen. Das ist zwecklos. Konfetti ist wie ein Haustier: Es kommt immer wieder zurück.

Apropos Konfetti. Warum kommen sie überhaupt zum Einsatz?
Das ist doch klar. Weil sie die offizielle Währung der guten Laune sind. Man teilt sie zuhauf und verteilt damit auch Fröhlichkeit. Das Schöne daran ist ebenfalls, dass wir diese besondere Währung noch mitten im Jahr in unseren Jackentaschen finden.

Gäbe es eine Alternative zu Konfetti?
Nein. Reis ist zu teuer, Wasser zu nass, Sand zu schwer und Heu zu farblos. Konfetti versprüht bunte Lebensfreude, lässt eintauchen und in die Luft fliegen.

Konfetti gehört für Dich also zwingend dazu?
Aber ja. Sie sind doch der Inbegriff von Überfluss an Farbe, an Menge, letztlich gar ein Überf luss der Zwecklosigkeit. Gerade deshalb sind sie so wichtig.

Wieder sehr philosophisch. Eine Frage, die uns immer wieder beschäftigt: Was bedeuten die drei Faissen?
Es sind die drei Standpfeiler der
Fasnacht.

Erkläre es bitte mehr!
Was gibt es dazu mehr auszuführen? Auf einem Standbein steht man nicht wirklich gut, bei zweien ist man je nach närrisch-fröhlicher Ausgelassenheit während der fünften Jahreszeit auch schon mal froh um ein drittes.

Warum heisst es eigentlich fünfte Jahreszeit?
Weil es sie im Kalender nicht gibt. Es ist ein Zwischenraum, in dem wir uns mal nicht ganz so ernst nehmen und das Leben sich einen kurzen Moment lang selbst närrisch feiern lässt.


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