Klimafitte Aargauer Landwirtschaft
02.06.2026 FrickBeim erstmals durchgeführten Praxisforum Agroforst am FiBL in Frick diskutierten Landwirtinnen, Landwirte und Forschende darüber, wie Bäume und Sträucher dazu beitragen können, Ackerkulturen und Nutztiere gegen Klimastress fit zu machen.
Im Aargau suchen Landwirtinnen und Landwirte ...
Beim erstmals durchgeführten Praxisforum Agroforst am FiBL in Frick diskutierten Landwirtinnen, Landwirte und Forschende darüber, wie Bäume und Sträucher dazu beitragen können, Ackerkulturen und Nutztiere gegen Klimastress fit zu machen.
Im Aargau suchen Landwirtinnen und Landwirte nach Lösungen, um mit extremer Hitze, Trockenheit und Starkniederschlägen umzugehen. Auf Äckern und Weideflächen gepflanzte Bäume und Sträucher tragen als Agroforst-Systeme dazu bei, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, die Kulturen zu schützen und die Tiergesundheit zu fördern. Landwirtschaftsdirektor und Regierungsrat Markus Dieth zeigt sich erfreut: «Die Erfahrungen der Pionierbetriebe, welche dieses Agroforst-Know-how auf bauen, stossen zunehmend auf Interesse. Forschung und Beratung sorgen für die Sicherung und Weitergabe der Erkenntnisse.»
Gehölze als Hitzeschutz
Das Praxisforum Agroforst ist eine Kooperation des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg mit dem FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) und dem Agroforst-Beratungsunternehmen Silvo-Cultura. Am Anlass vom Freitag tauschten sich Praktikerinnen und Praktiker, Forschende und Beratungspersonen dazu aus, wie sich Agroforst nutzbringend auf Landwirtschaftsbetrieben umsetzen lässt. Im Fokus stehen Hitzeminderung, Erosionsschutz, Humusauf bau, Biodiversitätsförderung sowie die Stärkung der Tiergesundheit durch Laub als Ergänzungsfutter.
Regierungsrat und Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth würdigte in seinem Grusswort Landwirtinnen und Landwirte, die bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen neue Wege gehen: «Die Integration von Gehölzen in die betrieblichen Kreisläufe steht exemplarisch für eine Landwirtschaft, die Nahrungsmittelproduktion und ökologische Verantwortung verbindet. Agroforst-Landwirtinnen und -Landwirte leisten einen wichtigen Beitrag zur Klima-Anpassung und zum Klimaschutz. Gleichzeitig eröffnen Agroforst-Systeme neue Perspektiven für die landwirtschaftliche Produktion. Kurz: Agroforst hilft, Risiken zu verteilen und die Produktionsgrundlagen langfristig zu sichern.»
Drei Förderpreis-Projekte wurden präsentiert
Drei Aargauer Landwirtschaftsbetriebe, die 2023 mit dem Förderpreis Agroforst Aargau ausgezeichnet worden waren, präsentierten am Praxisforum ihre realisierten Projekte. Karin und Thomas Wüthrich aus Elfingen haben eine Ziegenweide mit Futterhecken und Bäumen. Die Ziegenweiden wurden mit Strauchgruppen bepf lanzt. Diese dienen als Schattenspender und dürfen abschnittsweise durch die Ziegen beweidet werden. Die Inhaltsstoffe schützen vor Darmparasiten. Bei Hitzeperioden bleiben Luft- und Bodenfeuchtigkeit dank der Gehölze länger erhalten. So wächst auch im Hochsommer frisches Gras nach und die Tiere finden Abkühlung.
Pirmin Adler, Oberrüti, betreibt eine Weidehaltung mit Nutzhecken. Die Weiden für Rinder und Freiland-Poulet sind durch Streifen mit Gehölzen unterteilt, welche den Tieren Schatten, Nahrung und Beschäftigung bieten. Die Hecke besteht aus hochwertigen Futtergehölzen, an welchen sich die Rinder selbst bedienen können. Die Heckenbiomasse wird regelmässig geerntet und als Hackschnitzel in die Betriebskreisläufe integriert.
Rolf Treier aus Gipf-Oberfrick/ Bözberg bietet Baumreihen mit Strukturen auf Acker- und Weideland. Mit Bäumen bepflanzte Erdwälle in den Weiden und Ackerflächen schützen vor Erosion und sorgen für eine bessere Wasserspeicherung im Boden. Ast- und Steinhaufen in den Baumreihen fördern die Biodiversität.
Mit dem Heranziehen hochwertiger Stämme zu Furnier- und Möbelholz entsteht ein Generationenprojekt, welches langfristig CO2 bindet und dem Betrieb zukünftig neue Einkommensquellen erschliesst. (mgt/nfz)

